Mahlers Lied von der Erde

Liebe Kulturliebhabende,

Es freut uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass unser letztes Konzert der Saison 2020/2021 mit Gustav Mahlers Lied von der Erde als Konzert (50 Besucher-/innen) und zusätzlichem Livestream stattfinden kann.

Das Konzert ist ausverkauft. 
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Preis pro Ticket: 65.- CHF
Kulturlegi: 50%
bis 26 Jahre: 17.- CHF
Es besteht eine Masken- und Sitzpflicht.

Reservationen sind ausschliesslich über die Geschäftsstelle möglich:

info@bko.ch / 031 511 08 51

Programm

Konzertprogramm

Gustav Mahler
(1860 – 1911)

Das Lied von der Erde
(Bearbeitung Schönberg, Riehn)


I. Das Trinklied vom Jammer der Erde
II. Der Einsame im Herbst
III. Von der Jugend
IV. Von der Schönheit
V. Der Trunkene im Frühling
VI. Der Abschied

 

 

Konzerteinführung

Das Lied von der Erde, Gustav Mahlers epochales Spätwerk zwischen intimer Liedkunst und grosser Sinfonik erklingt in Arnold Schönbergs selten aufgeführter Bearbeitung für kleines Ensemble. Zum BKO unter der Leitung von Philippe Bach gesellen sich die Berner Mezzosopranistin Jordanka Milkova und der Südafrikanische Tenor Siyabonga Maqungo für die kammermusikalische Aufführung dieser Weltenmusik.

Am Ende bleibt nur ein einzelnes Wort, in weiter Ferne verhallend. «Ewig, ewig!» klingt es in langgezogenen Tönen, die den Grundton dieser Musik nicht mehr zu erreichen vermögen. Die wenigen verbliebenen Instrumente in diesem kammermusikalisch ausgedünnten Satz finden sich zum schwebend verhauchenden Schlussakkord – «Gänzlich ersterbend» steht als Motto über diesen finalen Takten. Eine halbe Stunde dauert dieser Abschied, ehe die Musik in die Ewigkeit entschwebt. Gustav Mahler, der Schöpfer dieser epochalen Tondichtung, sollte seinen grossen Orchesterlied-Zyklus Das Lied von der Erde 1911 nicht mehr zu Gehör bekommen. Er starb wenige Monate vor der Uraufführung in Wien. Obwohl er das Werk in Grundzügen bereits 1908 vollendet hatte, scheint sich hier bereits eine Vorahnung auf die eigene Endlichkeit anzudeuten. Die kurz zuvor erschienene Sammlung altchinesischer Lyrik in der Übersetzung des Dichters und Orientalisten Hans Bethge animierte den österreichischen Tondichter, eine kompositorische Rückschau auf sein Leben und zugleich auf sein Schaffen zu halten. Allen sinfonischen Projekten Mahlers wohnte die Suche nach den grossen existenziellen Fragen inne und zugleich dienten Liedformen und Volksweisen stets als Inspirationsquelle und Grundlage für diese metaphysisch aufgeladenen Schöpfungen. Im Lied der Erde für Tenor- und Alt-(oder Bariton) Solo mit grossem Orchesterfindet nun eine vollständige Synthese von Liedgesang und grosser Sinfonik statt, die sich in den Kindertotenliedern und der dritten und vierten Sinfonie bereits angekündigt hatten.

Der Philosoph und Musiktheoretiker Theodor W. Adorno beschrieb diese retrospektive Eigenheit des Liedes von der Erde mit folgenden Worten:

«Als latentes Kraftzentrum senden die Kindertotenlieder von der Vierten Sinfonie an ihre Strahlen über das gesamte Werk Mahlers. Ihre spezifische Beziehung zum Lied von der Erde ist wohl in der Erfahrung zu suchen, dass in der Jugend unendlich Vieles als Versprechen des Lebens wahrgenommen wird, wovon dann der Alternde, durch die Erinnerung hindurch, erkennt, dass in Wahrheit die Augenblicke solchen Versprechens das Lebens selber gewesen sind. Die versäumte und verlorene Möglichkeit rettet der späte Mahler, indem er durchs Opernglas die Kindheit betrachtet, in der es noch möglich gewesen wäre.»

Im Lied von der Erde gelingt Mahler das Kunststück, einfache Liedformen mit Strophen und Refrains mit einem nahezu klassischen sinfonischen Satzkonstrukt zu verschmelzen. Das aufbrausende Trinklied vom Jammer der Erde fungiert eindeutig als Kopfsatz, während Der Einsame im Herbst die Rolle des Adagio-Satzes übernimmt und zugleich mit den absteigenden Linien der elegischen Oboen-und Holzbläser-Soli eine Vorahnung des gewichtigen Schlusssatzes repräsentiert. Die verspielten Lieder Nummer drei und vier bilden das Scherzo dieser Orchesterliedsinfonie und berücken durch ihre pentatonische Gestaltung eine Referenz an die orientalistische Textvorlage. Der Trunkene im Frühling schwingt sich noch einmal zu orchestraler Grandezza auf und mutet in seiner burlesk-bitteren Absage an das Leben – «Was geht mich denn der Frühling an? Lasst mich doch betrunken sein!» - fast parodistisch an. Das grandiose Finale, die erlösende Apotheose, bleibt aus, stattdessen folgt die langsame Entrückung des in die Ewigkeit entschwebenden Abschieds. Die lebendigen Trillerfiguren des vorangehenden Satzes werden nun zum fatalen Doppelschlag des einleitenden Oboenmotivs umgedeutet. Und auch das melodisch-thematische Material der restlichen Sätze findet hier seinen transzendierten Widerhall. Trotz des grossen Orchesterapparats zeichnet sich das Lied der Erde durch seine in höchstem Masse kammermusikalische Klanggestaltung aus. Es schien naheliegend, diesen grandios-intimen Zyklus für eine kleinere Besetzung zu arrangieren – eine im frühen 20. Jahrhundert äusserst gängige Praxis – und so machte sich Arnold Schönberg 1921 im Auftrag des Vereins für musikalische Privataufführungen an eine Einrichtung für zwei Solist*innen und Kammerorchester. Da der Verein bald in finanzielle Nöte geriet, sollte Schönberg seine Arbeit nie vollenden. Erst 1983 ergänzte der deutsche Komponist Rainer Riehn die fehlenden Passagen und machte so diese Verbeugung vor Mahlers epochaler Dichtung dem Publikum zugänglich – eine Weltenmusik im intimsten Gewand.

 
 

KünstlerInnen

Philippe Bach, Dirigent

Kaspar Zehnder, Dirigent

In Saanen wurde Philippe Bach 1974 geboren. Auch als weltweit anerkannter Dirigent hat er seine Schweizer Heimat nicht vergessen. Mehrere Jahre war er Chefdirigent der Zuger Sinfonietta, bekleidet seit 2012 dieselbe Position beim Berner Kammerorchester und seit 2016 bei der Kammerphilharmonie Graubünden.

Schweizer Institutionen spielten auf seinem Ausbildungsweg eine bedeutende Rolle: An der Musikhochschule Bern und am Conservatoire de Genève studierte er Horn, später auch noch in Freiburg im Breisgau, und nach einem 1. Preis beim Schweizerischen Dirigentenwettbewerb widmete er sich auch intensiv dem Dirigieren. Johannes Schlaefli an der Musikhochschule Zürich und u. a. Sir Mark Elder am Royal Northern College of Music in Manchester waren seine Mentoren.

Auf internationalem Parkett steht der Name Philippe Bach für eine steile Dirigentenkarriere. Nach einem 1. Preis beim International Jesús López Cobos Opera Conducting Competition 2006 wurde er Assistant Conductor am Teatro Real in Madrid und Assistent von Jesús López Cobos; 2007 debütierte er dort mit Puccinis Madama Butterfly. Es folgten zwei Spielzeiten am Theater Lübeck, ehe er 2012 der Berufung als Generalmusikdirektor der Meininger Hofkapelle und des Meininger Staatstheaters folgte. An der traditionsreichen Stätte hat er vor allem Opern von Wagner und Strauss, aber auch von Janáček, Adès, Britten und Verdi dirigiert.

Lang ist die Liste der grossen internationalen Orchester, mit denen Philippe Bach zusammengearbeitet hat, stellvertretend genannt seien das London Philharmonic Orchestra, das BBC Philharmonic Orchestra, das Tonhalle Orchester Zürich, das Basler Sinfonieorchester, das Orchestre de chambre de Lausanne, das Orchestra della Svizzera Italiana, das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, das Helsinki Philharmonic Orchestra oder das Bournemouth Symphony Orchestra.

www.philippebach.ch

Jordanka Milkova, Mezzosopran

Jordanka Milkova, Sopran

Die Mezzosopranistin Jordanka Milkova schloss ihre Gesangsausbildung an der Musikakademie in ihrer Heimatstadt Sofia ab. Mit Auszeichnung absolvierte sie anschliessend das Schweizerische Opernstudio an der Hochschule der Künste Bern und übernahm gleichzeitig wichtige Rollen am Ensemble Theater Biel-Solothurn. Daraufhin wechselte die schweizerisch-bulgarische Doppelbürgerin ans Stadttheater Pforzheim, und ein paar Jahre später war sie Ensemblemitglied am Staatstheater Nürnberg. Dort erarbeitete sie sich ein grosses Repertoire im Mezzofach erarbeitet. Es folgten europaweit Engagements auf Opern- und Konzertbühnen am Helsinki Music Center, an der Tampere Hall in Finnland, der Tonhalle Zürich, KKL Luzern, Casino Basel, Tonhalle Düsseldorf, an der Philharmonie Sofia, am Aalto Theater Essen, Theater Basel, Théâtre National du Luxembourg, Teatro Comunale di Ferrara, Teatro Comunale Luciano Pavarotti di Modena, Mikhailovsky Theater in St. Petersburg, Opernhaus Halle, Augsburg, Freiburg i.Br., Theater am Revier Gelsenkirchen, am Theater Lübeck, Stadttheater Bern, Opéra-Théâtre de Metz Métropole sowie bei Oper im Steinbruch in St. Margarethen in Österreich und am Murten Classics.

Am Savonlinna Opera Festival in Finnland gastierte sie drei Saisons, wo sie auch ihr erfolgreiches Debüt unter dem Dirigat von Philippe Auguin als Ortrud gab. In der Folge wurde sie auch ans Hong Kong Arts Festival für die gleiche Partie verpflichtet. An den Internationalen Maifestspielen in Wiesbaden sang Jordanka Milkova die Partie der Venus u.a. an der Seite von Klaus Florian Vogt als Tannhäuser.

Zu ihrem breiten Repertoire gehören die grossen Mezzopartien wie Carmen, Dalila, Eboli, Amneris, Ulrica, Marfa, Klythamnestra, Jezibaba, Fremde Fürstin, die Hosenrollen Nicklausse, Ascanio, der Komponist, Annio, Hänsel sowie Fenena, Suzuki, Maddalena, Dorabella, Erda und viele andere. Als Konzertsängerin tritt sie regelmässig mit Meisterwerken auf. Zu ihrem Repertoire zählen u.a. das Verdi-Requiem, das Requiem von W.A. Mozart, die II. , III. und die VIII. Symphonie von Gustav Mahler, die Sieben Lieder von Alma Mahler, Stabat Mater von Antonin Dvořák, die Symphonie der Klagelieder von Henryk M. Gorecki, Les Nuits d'été von H. Berlioz, Poème de l'amour et de la mer von E. Chausson, die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner.

Mehrere Kritiker der Fachzeitschrift «Opernwelt» nominiertenJordanka Milkova als «beste Nachwuchskünstlerin» für ihre Amneris-Interpretation. In der Spielzeit 2019/20 gab die Mezzosopranistin am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ihr Rollendebut als Azucena in Verdis Il Trovatore. An der Semperoper Dresden wird Jordanka Milkova mit der Titelrolle in Carmen ihr Hausdebut während der Saison 2020/21 geben.

www.jordankamilkova.com

Siyabonga Maqungo, Tenor

Siyabonga Maqungo, Tenor

Nachdem sich der südafrikanische Tenor Siyabonga Maqungo mit der Partie des David in Richard Wagners «Die Meistersinger» erstmals an der Staatsoper Unter den Linden vorgestellt hatte, engagierte Daniel Barenboim ihn ab der Spielzeit 2020/21 als Ensemblemitglied. Zu seinen ersten Partien gehören dort Narraboths Salome und Taminos Zauberflöte. Zuvor war der junge Tenor von 2018 bis 2020 Ensemblemitglied am Theater Chemnitz, wo er u.a. als Tamino, Alfred (Die Fledermaus) oder Jaquino (Fidelio) zu erleben war. An der Oper Leipzig debütierte er 2018 als Almaviva in Il barbiere di Siviglia.

2019 wurde er in der Kategorie Young Singer für die International Opera Awards nominiert. 2018 errang er den 2. Preis beim Internationalen Opernwettbewerb von Portofino. Von 2015 bis 2018 war Siyabonga Maqungo am Staatstheater Meiningen, wo er sich ein breites Repertoire vom Barock über Mozart, Donizetti und die Operette bis hin zu Richard Wagner, Richard Strauss und die Moderne erarbeitete. Als Tamino debütierte er 2017 bei der Oper Burg Gars unter Johannes Wildner.

Auch als Konzertsänger konnte sich Siyabonga Maqungo bereits mit Orchestern wie dem Minnesota Orchestra unter Dirigenten wie Rolf Beck, Phillippe Bach, Helmut Rilling oder Osmo Vänskä einen Namen machen.

Sein Studium begann er an der University of North West in Südafrika und schloss es mit dem Masterstudium bei Josef Protschka an der Hochschule für Musik und Tanz Köln ab.

Florian Hauser, Moderation + Werkeinführung

Florian Hauser, Moderation + Werkeinführung

Florian Hauser wird Sie als Moderator durch den Abend begleiten. Nach seinem Studium in Kulturwissenschaften in Hildesheim hat er in Salzburg promoviert. Als freier Mitarbeiter begann er in der Musikredaktion von DRS 2 Anfang der neunziger Jahre zu arbeiten und war dann 15 Jahre beim BR in München als Autor, Redakteur und Sprecher tätig. Seit 2009 ist er bei SRF 2 Kultur als Musikredaktor und Moderator angestellt.

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