Do., 19. Oktober 2017 19.30 Uhr Uhr Konservatorium Bern

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American Seasons

Piotr Plawner, Violine

Piotr Plawner, Violine

Piotr Plawner gehört zu den kreativsten und begabtesten Geigern seiner Generation. „Dieser junge Mann ist in der Tat ein Phänomen, ein Genie auf der Geige. Sein Spiel ist faszinierend, bis in die letzte Nuance hinein. Jede Phrase ist interpretatorisch durchdacht, alles mit Superlativen zu kennzeichnen“, schreibt die „Stuttgarter Zeitung“. Piotr Plawners aussergewöhnliches Talent und seine atemberaubende Virtuosität finden internationale Anerkennung. Er tritt solistisch in ganz Europa, in verschiedenen arabischen Ländern, in Asien und in den Vereinigten Staaten auf. Seit 2006 ist Piotr Plawner Primarius des weltberühmten Quintett „Salonisti“. 2015 wurde Piotr Plawner vom polnischen Kulturminister für die Verdienste für polnische Kultur mit der Medaille „Gloria Artis“ ausgezeichnet. Piotr Plawner spielt eine Geige von Tomasso Balestrieri.
www.piotrplawner.com

Philippe Bach, Dirigent

Philippe Bach, Dirigent

In Saanen wurde Philippe Bach 1974 geboren. Auch als weltweit anerkannter Dirigent hat er seine Schweizer Heimat nicht vergessen: Mehrere Jahre war er Chefdirigent der Zuger Sinfonietta, bekleidet seit 2012 dieselbe Position beim Berner Kammerorchester und seit 2016 bei der Kammerphilharmonie Graubünden.

Schweizer Institutionen spielten auf seinem Ausbildungsweg eine bedeutende Rolle: An der Musikhochschule Bern und am Conservatoire de Genève studierte er Horn – später auch noch in Freiburg im Breisgau –, und nach einem 1. Preis beim Schweizerischen Dirigentenwettbewerb widmete er sich auch intensiv dem Dirigieren. Johannes Schlaefli an der Musikhochschule Zürich und u. a. Sir Mark Elder am Royal Northern College of Music in Manchester waren seine Mentoren.

Auf internationalem Parkett steht der Name Philippe Bach für eine steile Dirigentenkarriere. Nach einem ersten Preis beim International Jesús López Cobos Opera Conducting Competition 2006 wurde er Assistant Conductor am Teatro Real in Madrid und Assistent von Jesús López Cobos; 2007 debütierte er dort mit Puccinis Madama Butterfly. Es folgten zwei Spielzeiten am Theater Lübeck, ehe er 2012 der Berufung als Generalmusikdirektor der Meininger Hofkapelle und des Meininger Staatstheaters folgte. An der traditionsreichen Stätte hat er vor allem Opern von Wagner und Strauss, aber auch von Janáček, Adès, Britten und Verdi dirigiert.

Lang ist die Liste der grossen internationalen Orchester, mit denen Philippe Bach zusammengearbeitet hat, stellvertretend genannt seien das London Philharmonic Orchestra, das BBC Philharmonic Orchestra, das Tonhalle Orchester Zürich, das Basler Sinfonieorchester, das Orchestre de chambre de Lausanne, das Orchestra della Svizzera Italiana, das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, das Helsinki Philharmonic Orchestra oder das Bournemouth Symphony Orchestra.
www.philippebach.ch

Berner Kammerorchester

Berner Kammerorchester

Das Berner Kammerorchester pflegt seit seiner Gründung 1938 das klassische Repertoire und setzt parallel dazu einen Schwerpunkt in der Aufführung und Vermittlung neuer Schweizer Musik. Bemerkenswert sind die spannenden Kombinationen mit anderen Bereichen wie Tanz, Volksmusik und Jazz. Seit der Saison 2012/13 ist Philippe Bach Chefdirigent des BKO.

Es kamen zahlreiche Uraufführungen namhafter Komponisten zustande wie zum Beispiel von Sandor Veress, Albert Moeschinger, Willy Burkhardt, Arthur Furer und Alfred Zimmerlin. Neben Konzerten mit renommierten Solist_innen wie Patricia Kopatschinskaja, Thomas und Patrick Demenga, Mirijam Contzen oder Julia Schröder ist die Zusammenarbeit mit jungen Talenten dem BKO ein wichtiges Anliegen. Mit der Hochschule der Künste Bern als Partner werden gezielt junge Künstler_innen gefördert. Das Berner Kammerorchester ist ein gern gesehener Gast bei verschiedenen Festivals und ist mit Gastspielen in der ganzen Schweiz präsent.

Das Berner Kammerorchester wird von der Stadt Bern, von der Burgergemeinde Bern, vom Kanton Bern und seit 2016 von der Regionalkonferenz Bern Mittelland unterstützt und erhält Förderbeiträge von verschiedenen Stiftungen und Partnern.
www.bko.ch

Programm

Aaron Copland
(1900 - 1990)

Appalachian Spring Suite

Igor Strawinsky
(1882 - 1971)

Concerto in Es-Dur für Kammerorchester „Dumbarton Oaks“

Philip Glass
(*1937)

Violinkonzert Nr. 2 „The American Four Seasons“

Amerikanischer Frühling
Stehen die Zeichen der Zeit in den USA momentan eher auf Winter, so widmet sich das BKO zur Saisoneröffnung den Blüten der modernen amerikanischen Kunstmusik und bringt Philip Glass’ umjubeltes zweites Violinkonzert zur Aufführung.


1921 reiste eine Dame aus Paris erstmals in die USA, um ihre umfassenden Kenntnisse in der Komposition, dem Dirigat und dem Klavierspiel an eine junge Generation amerikanischer Musiker weiterzugeben. Nadia Boulanger hiess jene grosse Musikpädagogin, die die Geschichte der US-amerikanischen Kunstmusik entscheidend prägte. Zu ihren Schülern zählten der Tango-Pionier Astor Piazzolla, der Jazz-Trompeter Quincy Jones und nicht zuletzt der Komponist Aaron Copland (1900-1990). Copland hatte sich mit allen kompositorischen Techniken der europäischen Moderne vertraut gemacht, bevor er beschloss, sich einem allgemein verständlicheren Idiom zuzuwenden. Ähnlich wie sein Landgenosse George Gershwin – der auf seiner Europareise ebenfalls bei Nadia Boulanger vorstellig wurde – versuchte Copland eine genuin amerikanische Musiksprache zu entwickeln, indem er Elemente des Jazz und der Folkmusik in seinen Kompositionen verarbeitete. Auch in der Themenwahl griff Copland oft zurück auf Motive aus der Tradition und Geschichte seines Landes. Seine programmatischen Orchesterwerke wie Billy the Kid oder Rodeo setzten den Standard für die musikalische Ausmalung der romantischen Vorstellung des „Wilden Westens“ und es verwundert kaum, dass Copland auch die Musik zu zahlreichen Hollywoodfilmen beisteuerte. Coplands mitunter bekanntestes Werk ist die Ballettmusik Appalachian Spring, die er für die grosse Choreographin Martha Graham schuf. Die Handlung beschreibt das Alltagsleben von Pionieren, die im frühlingshaften Pennsylvania ihre neue Heimat gefunden haben. Copland setzte die Szenen zwischen mystischer Naturanschauung, fröhlicher Geselligkeit und religiöser Andacht in eine opulent-bildhafte Klangsprache um. Von der sphärisch entrückten Einleitung und deren Wiederkehr am Ende zu den galoppierenden Tanzsätzen entwickelt Appalachian Springs einen unwiderstehlichen Sog, der Copland nicht nur den renommierten Pulitzerpreis einbrachte, sondern auch die Bewunderung einer jungen Komponisten-Generation. Zu jenen Verehrern gehörte auch ein weiterer nicht minder berühmter Schüler Nadia Boulangers: Philip Glass.

Glass (*1937) gehört zu den Pionieren der Minimal Music, einer musikalischen Stilistik, die sich noch dezidierter von den Traditionen der europäischen Moderne abzuwenden suchte und in den repetitiven Mustern afrikanischer und ostasiatischer Kunstmusik wesentliche Impulse fand. Philip Glass’ Musik entfaltet ihre Wirkung im konstanten Strömen des Klangs, der die herkömmlichen Zeitrelationen ausser Kraft setzt. Diese ebenso rauschhafte wie in sich ruhende Klangsprache hat Glass weit über die Grenzen der Klassik hinweg berühmt gemacht und ist heute sowohl in der Werbung wie auf der Opernbühne präsent. Sein 2009 entstandenes zweites Violinkonzert The American Four Seasons ist augenfällig eine Hommage an Antonio Vivaldis Evergreen und zeigt die Schnittstellen zwischen Minimal Music und barocker Fortspinnungs-Melodik auf. Es fällt nicht ganz leicht, die vier Sätze eindeutig den Jahreszeiten zuzuordnen, obwohl das furiose Finale zeitweise an Vivaldis Winterkonzert erinnert. Auch der cembaloartige Sound des in der Partitur vorgeschriebenen Synthesizers evoziert einen barocken Klang.
Als der Kosmopolit Igor Strawinsky (1882-1971) den Auftrag erhielt, ein Werk für den amerikanischen Mäzen Robert Woods Bliss zu komponieren, wählte er für seine Komposition ebenfalls ein barockes Vorbild, jenes des „Concerto grosso“. In dieser Form des Ensemblekonzerts treten die Instrumente des Orchesters solistisch hervor und vereinigen sich wieder im Tutti. Besonders Bachs Brandenburgische Konzerte klingen in Strawinskys neoklassizistischer Schöpfung an, wenngleich im rhythmisch vertrackten und harmonisch angereicherten Klanggewand des Komponisten. Der Beiname des Werks Dumbarton Oaks verweist auf den Landsitz des Werkstifters, berühmt für seine klassizistische Architektur und die üppige Gartenanlage, die in den munter florierenden Musik Strawinskys ihren Widerhall findet. Die Uraufführung des Werks in Dumbarton Oaks fand, wie könnte es auch anders sein, unter der Leitung von Nadia Boulanger statt.

Konzerte