Fr., 17. November 201719.30 Uhr UhrKonservatorium Bern

Tickets kaufen

Nachhall

Rudolf Rosen, Bariton

Rudolf Rosen, Bariton

Der Schweizer Rudolf Rosen trat nach Abschluss seiner Gesangsausbildung und nach Studien der Kunstgeschichte in seiner Heimatstadt Bern als Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe hervor (u.a. 1997 CIEM, Genève; 1998 ARD, München; 1999 Belvedere, Wien) Seither führte ihn seine Konzert- und Operntätigkeit durch fast alle Länder Europas, nach Mexico, China und Japan. Er sang unter so bedeutenden Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Riccardo Chailly, Michel Corboz, Christoph Eschenbach, Daniele Gatti, Michael Gielen, Heinz Holliger, René Jacobs, Neeme Järvi und Lothar Zagrosek. Er war u.a. in den Staatsopern Stuttgart und München, dem Théatre des Champs Elysées, der Opéra National de Lyon, dem New National Theatre Tokyo und der Scala di Milano zu hören.
www.rudolfrosen.ch

Martin Frutiger, Oboe

Martin Frutiger, Oboe

Martin Frutiger ist Solo-Englischhornist im Tonhalle-Orchester Zürich. Er unterrichtet als Dozent für Englischhorn an der Zürcher Hochschule der Künste und leitet eine Berufsausbildungsklasse für Oboe an der Hochschule Luzern – Musik. Neben seiner Orchester- und Unterrichtstätigkeit tritt er regelmässig als Solist und als Kammermusiker auf. Seine musikalische Ausbildung erhielt Martin Frutiger am Konservatorium Bern bei Prof. Hans Elhorst und an der Musikhochschule München bei Prof. Günther Passin. Danach spielte er im Rahmen der Karajan-Akademie während zwei Jahren bei den Berliner Philharmonikern unter den Chefdirigenten Claudio Abbado und Sir Simon Rattle. Martin Frutiger gewann die ersten Preise des internationalen Oboenwettbewerbes der Händelfestspiele in Halle an der Saale und des «Concours National d‘Execution Musicale» (CNEM) in Riddes. Im Oktober 2003 wurde Martin Frutiger am internationalen Oboenwettbewerb in Tokio mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.
www.martinfrutiger.ch

Philippe Bach, Dirigent

Philippe Bach, Dirigent

In Saanen wurde Philippe Bach 1974 geboren. Auch als weltweit anerkannter Dirigent hat er seine Schweizer Heimat nicht vergessen: Mehrere Jahre war er Chefdirigent der Zuger Sinfonietta, bekleidet seit 2012 dieselbe Position beim Berner Kammerorchester und seit 2016 bei der Kammerphilharmonie Graubünden.

Schweizer Institutionen spielten auf seinem Ausbildungsweg eine bedeutende Rolle: An der Musikhochschule Bern und am Conservatoire de Genève studierte er Horn – später auch noch in Freiburg im Breisgau –, und nach einem 1. Preis beim Schweizerischen Dirigentenwettbewerb widmete er sich auch intensiv dem Dirigieren. Johannes Schlaefli an der Musikhochschule Zürich und u. a. Sir Mark Elder am Royal Northern College of Music in Manchester waren seine Mentoren.

Auf internationalem Parkett steht der Name Philippe Bach für eine steile Dirigentenkarriere. Nach einem ersten Preis beim International Jesús López Cobos Opera Conducting Competition 2006 wurde er Assistant Conductor am Teatro Real in Madrid und Assistent von Jesús López Cobos; 2007 debütierte er dort mit Puccinis Madama Butterfly. Es folgten zwei Spielzeiten am Theater Lübeck, ehe er 2012 der Berufung als Generalmusikdirektor der Meininger Hofkapelle und des Meininger Staatstheaters folgte. An der traditionsreichen Stätte hat er vor allem Opern von Wagner und Strauss, aber auch von Janáček, Adès, Britten und Verdi dirigiert.

Lang ist die Liste der grossen internationalen Orchester, mit denen Philippe Bach zusammengearbeitet hat, stellvertretend genannt seien das London Philharmonic Orchestra, das BBC Philharmonic Orchestra, das Tonhalle Orchester Zürich, das Basler Sinfonieorchester, das Orchestre de chambre de Lausanne, das Orchestra della Svizzera Italiana, das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, das Helsinki Philharmonic Orchestra oder das Bournemouth Symphony Orchestra.
www.philippebach.ch

Berner Kammerorchester

Berner Kammerorchester

Das Berner Kammerorchester pflegt seit seiner Gründung 1938 das klassische Repertoire und setzt parallel dazu einen Schwerpunkt in der Aufführung und Vermittlung neuer Schweizer Musik. Bemerkenswert sind die spannenden Kombinationen mit anderen Bereichen wie Tanz, Volksmusik und Jazz. Seit der Saison 2012/13 ist Philippe Bach Chefdirigent des BKO.

Es kamen zahlreiche Uraufführungen namhafter Komponisten zustande wie zum Beispiel von Sandor Veress, Albert Moeschinger, Willy Burkhardt, Arthur Furer und Alfred Zimmerlin. Neben Konzerten mit renommierten Solist_innen wie Patricia Kopatschinskaja, Thomas und Patrick Demenga, Mirijam Contzen oder Julia Schröder ist die Zusammenarbeit mit jungen Talenten dem BKO ein wichtiges Anliegen. Mit der Hochschule der Künste Bern als Partner werden gezielt junge Künstler_innen gefördert. Das Berner Kammerorchester ist ein gern gesehener Gast bei verschiedenen Festivals und ist mit Gastspielen in der ganzen Schweiz präsent.

Das Berner Kammerorchester wird von der Stadt Bern, von der Burgergemeinde Bern, vom Kanton Bern und seit 2016 von der Regionalkonferenz Bern Mittelland unterstützt und erhält Förderbeiträge von verschiedenen Stiftungen und Partnern.
www.bko.ch

Programm

Hans Pfitzner
(1869 - 1949)

Kleine Sinfonie in G-Dur, op. 44

Richard Strauss
(1864 - 1949)

Konzert für Oboe und kleines Orchester in D-Dur, AV 144

Othmar Schoeck
(1886 - 1957)

Nachhall, op. 70
für mittlere Stimme und Orchester

Nachhall einer vergangenen Zeit
Komponisten des 20. Jahrhunderts, die an der Tradition spätromantisch-tonaler Musik festhielten, wurden lange als epigonal gebrandmarkt und wenig beachtet. Das BKO und der Bariton Rudolf Rosen lassen den Nachhall der Romantik in den Werken Othmar Schoecks, Hans Pfitzners und Richard Strauss’ erklingen.


Die Avantgardisten der Musikgeschichte im 20. Jahrhundert haben so manch irritierendes Stück Musik in die Welt gesetzt, doch auch Werke, die in ihrer Klanggestalt ganz anmutig erscheinen, können im Kontext ihrer Zeit irritieren, so etwa die Kleine Sinfonie in G-Dur op. 44 des deutschen Komponisten Hans Pfitzner (1869-1949). Die kühle Kontrapunktik der Streichereinleitung, die zumindest eine Ahnung des Düsteren zu Beginn der Komposition anklingen lässt, weicht sogleich einem Reigen kantabler Holzbläsermelodien, so als kehre hier ein Komponist etwas unter den Teppich.
Der deutsche Musikpublizist Michael Schwalb stellt in seiner jüngst erschienenen Pfitzner-Biographie im Zusammenhang dieses Werks die Frage: „ob Pfitzner hier – 1939! – bewusst am Zeitgeist vorbeischreibt, ob er alle musikalischen wie aussermusikalischen Zeitbezüge absichtsvoll unterläuft, auch ob und wieweit solch zeitferne Idylle noch Aktualität beanspruchen kann.“ Das Werk zeigt exemplarisch, warum die Nachwelt grosse Mühe mit Pfitzners Wirken hatte. Denn Pfitzner war nicht nur ein bekennender Anhänger der menschenverachtenden Ideologie der Nationalsozialisten, er verweigerte sich auch vehement den musikalischen Neuerungen seiner Zeit. In seiner Streitschrift „Futuristengefahr“ wetterte Pfitzner: „Das atonale Chaos ist die künstlerische Parallele zu dem Bolschewismus, der dem staatlichen Europa droht.“ Dabei wäre es vorschnell, Pfitzner als faschistischen Epigonen abzutun, denn sein Schaffen offenbart nicht nur hohe Kunstfertigkeit, sondern auch eine durchaus eigentümliche Klangsprache. Doch in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts, als Arnold Schönberg wirkungsmächtig die Zwölftonmusik zum Paradigma eines neuen Komponierens erklärte, galten jene Komponisten, die an der Tonalität und der romantischen Ausdrucksästhetik festhielten, bald als rückständig.
So erging es auch dem Schweizer Komponisten Othmar Schoeck (1886-1957). Obwohl der Liedkomponist Schoeck prominente Fürsprecher wie den deutschen Bariton Dietrich Fischer-Dieskau hatte, wurden seine Werke lange kaum beachtet oder als altmodisch abgetan. Der orchestrale Liedzyklus Nachhall, den Schoeck am Ende seines Lebens schuf, reflektiert diesen Umstand: ein Abgesang auf die versunkene bürgerliche Kultur des 19. Jahrhunderts. Die vertonten Gedichte entstammen der Feder des von Robert Schumann hoch geschätzten romantischen Dichters Nikolaus Lenau. Schoeck setzt dessen poetische Sprache in nachdenklich-elegische Töne, die durch ihre harmonische Farbenpracht bezaubern. Im Lied Einsamkeit mischen sich die Klänge eines Klaviers in die orchestrale Textur wie Fragmente einer unwiderruflich verlorenen Welt.
Obwohl Richard Strauss (1864-1949) Zeit seines künstlerischen Lebens den Rahmen der Tradition und Tonalität nie vollständig verliess, bewahrten ihn die anhaltende Popularität seiner Opern und Orchesterwerke davor, in den Orkus der Ewiggestrigen verbannt zu werden. Umso bemerkenswerter erscheint, dass sich Strauss in seinen alten Tagen zunehmend der Tradition zuwandte und sich vom expressiven und durchaus auch modernen Duktus seiner früheren Werke abkehrte. Das Konzert für Oboe und kleines Orchester in D-Dur gehorcht beinahe den Konventionen eines Solo-Konzerts im Geiste der Wiener Klassik. Dabei exponiert Strauss in kunstvoller Stimmführung die gesamte klangliche Palette der Oboe und lässt einzelne Orchesterinstrumente in einen Dialog mit der Solopartie treten. Die Rückkehr zur Tradition ist hier eher eine Hinwendung zur musikalischen Natürlichkeit. Erst die Abkehr von einer Idee des zielorientierten, kontinuierlichen Fortschritts in der Musikgeschichte ermöglichte es, dass seit einigen Jahren jene Werke wieder im Lichte ihrer künstlerischen Qualität betrachtet werden können, auch wenn sie scheinbar aus der Zeit gefallen sind.

Konzerte