PRESSESTIMMEN

linieBUND, 9.3.2010

Berner Kammerorchester
Facettenreicher Liebeszauber

Dass Tote eifersüchtig sein können, weiss Manuel de Falla. In seinem Ballett «El Amor brujo» (1915) erzählt er von einem Jüngling, der im Grab keine Ruhe findet, weil seine einstige Verlobte mit einem neuen Lover eine Beziehung eingehen will. So tut er, was er als Geist noch tun kann: Er spukt ein bisschen herum in der Hoffnung, das keimende Liebesglück auseinander zu bringen.
Schon vor zehn Jahren haben der Dirigent Johannes Schlaefli und das Berner Kammerorchester die Funken sprühende Ballett-Suite mit einem Tänzer auf die Konzertbühne gebracht. Im Theater National nun werden zu Orchester und Sängerin ein Tanzpaar (Norbert Steinwarz und Maria Lucia Agon) und ein Flamencogitarrist (Michal Abramski) zugezogen. Ein gelungener Eingriff.
Im Spiel um Anziehung und Abstossung visualisiert der Tanz die Dramatik des musikalischen Geschehens, der Gitarrist wiederum verleiht der Szene Intimität und verstärkt das spanische Kolorit. Spannend zu verfolgen, wie die Klänge um ein tonales Zentrum kreisen und die Tänzer um eine fiktive Mitte, die zwischen ihren geschmeidigen Körpern liegt. Feine Zapateados, Flamencogirlanden, aber auch freie Bewegungen, Hebungen und impulsive Drehungen werden auf die enge Plattform gebracht, derweil der Geist an immer neuen Orten im Orchester aufscheint.
Mit feinem Vibrato zeichnet die Mezzosopranistin Carmela Calvano Forte den expressiven Part der verzweifelten Liebenden. Michal Abramski gibt in brillant gezupften Interludien dem Liebesfeuer Nahrung. In der nächtlichen «Danza ritual del fuego», dem Feuertanz, hört man in den Streichern das Knistern des Holzes, wenn es von den Flammen verschlungen wird. Lust und Schmerz, Leben und Tod, hier werden sie eins.
Joseph Haydns dramatische Szene «Berenice che fai», in der Carmela Calvano Forte ihren flexiblen Mezzosopran in neuen Farben leuchten lässt, und Luigi Boccherinis Opus 12 runden den Liebeszauber ab. Liebeszauber? Das fulminante Tableau, das vom Orchester dynamisch und mit scharfen Akzenten gestaltet wird, führt direkt in die «Casa del diavolo» (Teufelsküche). Ob deshalb das Theater National nur zur Hälfte besetzt ist?

Marianne Mühlemann

linieBUND, 14.12.2009

Lachende Gesichter und Märchenzauber

In der Pause des Festkonzerts des Berner Kammerorchesters herrscht auf der Bühne reges Treiben: Das Orchester rückt in den Hintergrund, davor entsteht eine Tanzfläche, bunte Geschenkpakete werden herangetragen, zu dekorativen Stapeln geschichtet – und dann gehen im Kultur-Casino die Lichter aus. Was folgt, ist nicht bloss ein Gastauftritt, sondern gleich über hundert davon! In geschickt gewählten Szenen aus Tschaikowskys «Nussknacker» sorgen einzelne Erwachsene, vor allem aber Kinder und Jugendliche – alles Schüler der Münsinger Ballettschule Cabriole – für märchenhaften Zauber. Die fantasiereiche Choreografie der Schulleiterinnen Sasha Thommen und Mirjam Künzi kreiert in Kombination mit den meist geschmackvoll einfarbigen Kostümen bewegte Bilder, die vor Lebendigkeit strotzen. Die kleinen Tanzenden dürfen dabei erfreulicherweise einfach Kinder sein, sind nicht zu Schritten verpflichtet, die tapsige Miniballerinen aus ihnen machen würden. Dennoch: Dem Talent vieler Beteiligter wird durchaus Rechnung getragen, beispielsweise im «Schneeflockenwalzer». Hier lassen einen bei gedämpfter Beleuchtung die jugendlichen Balletteusen, quirlig umtanzt von weiss gekleideten Kindern, zur Decke schauen – in Erwartung wahrhaften Schneetreibens.

Auch die erste Konzerthälfte geizt nicht mit jungen Talenten. So glänzen die Geigerin Malwina Sosnowsky und der Kontrabassist Thierry Roggen in Giovanni Bottesinis «Gran Duo Concertante» als technische Virtuosen mit atemberaubendem Zusammenspiel. Ebenso preisgekrönt wie Roggen und Sosnowsky sind Gordon Bragg und Olivera Sekulic-Barac, die mit zupackenden Dirigaten begeistern. Braggs 26. Haydn-Sinfonie verfügt über fabelhafte Präzision und Power, und in Mendelssohns von Sekulic-Barac geleiteter «Hebriden»-Ouvertüre laufen die Musikerinnen und Musiker zu klang-malerischer und dynamischer Höchstform auf. Ihre Spielfreude zeigt sich dabei genau dort, wo sie die grösste Ausstrahlungskraft besitzt: auf den lachenden Gesichtern.

Stefan Bucher

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Der BUND vom 27. Oktober 2009

Bläserjux und Cellogroove mit Maximilian Hornung

Es war nicht nur ein fein abgestimmtes, sondern auch vergnügliches Programm, mit dem die Bläser des BKO auftraten und sogleich eine hohe Messlatte setzten. Das dem Humor gewidmete Konzert startete mit einem Arrangement von Mozarts «Don Giovanni». Von Beginn weg spielte sich die Bläsergruppe auf wohlklingende Weise durch die aparte Musik und bewältigte die lange und teils sehr virtuose Partitur mit erstaunlicher Präzision und sicherer Intonation. Nathan Brock entlockte dabei dem gut ausbalancierten Ensemble eine kantable und lebendige Gestaltung. Der differenzierten Interpretation stellte sich aber leider vor allem die Akustik in den Weg. Der trockene Saal liess dynamisch nur einen geringen Spielraum zu und verhinderte einen kompakten, unmittelbaren Klangeffekt.

Mehr Wirkung taten in dieser Hinsicht die grösser besetzten Rheinischen Kirmestänze von Zimmermann. Die kurze, witzige Suite hätte gerade in Kontrast zu Mozart allerdings noch ein wenig übermütiger und frecher gespielt werden können. Nicht alle Instrumentalisten befanden sich in gleich ausgelassener Jahrmarktstimmung. Nach der Pause folgte mit dem Konzert für Cello und Blasorchester (inklusive Schlagzeug und Gitarre) von Friedrich Gulda dann die Klimax. Manche mögen Guldas Werk als gefällig abtun, doch bot es einmal etwas erfrischend anderes. Unverblümt vermengt der Komponist hier Idiome der Rockmusik, der Blaskappelle und Folklore mit jenen der Klassik. Das Konzert verlangt also einen ziemlich vielseitigen Musiker, und den fand man im jungen Cellisten Maximilian Hornung. Mit bestechender Intonationssicherheit legte der Cellist draufgängerisch los und zog das Publikum mit seinen rockigen Tönen umgehend in den Bann. Die idyllischen Szenen enthielten betörende Phrasierungen, in der herausfordernden Kadenz schraubte sich Hornung in ungeahnte Höhen und demonstrierte seine technische Versiertheit. Im Schlusssatz fetzte er schliesslich zusammen mit den gleichzeitig gepflegt und schwungvoll aufspielenden Bläsern durch den mitreissenden Marsch. Zurück blieb ein begeistertes Publikum.

Michael Matter

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Der BUND vom 22. Mai 2009

Verklärtes Publikum

Berner Kammerorchester: Zwei Menschen wandeln im Mondlicht. Die Frau geht in Sünde: Sie hat sich «an ihrem Körper vertan». Doch der Mann beruhigt sie: «Du treibst mit mir auf kaltem Meer, doch eine eigene Wärme flimmert von Dir in mich, von mir in Dich. Die wird das fremde Kind verklären.» Die Stimmungsmache des Gedichtes «Verklärte Nacht» von Richard Dehmel zündet heute nicht mehr. Um die vorletzte Jahrhundertwende war dies anders: Namhafte Autoren wie Wedekind feierten Dehmel neidlos als den grossen Lyriker der Zeit. Auch Schönberg fand in seinen Gedichten Inspiration und komponierte sein Streichsextett Opus 4 als Programmmusik zu dessen «Verklärter Nacht». Doch schon fünfzig Jahre später kommentiert er sichtlich erleichtert, dass die Komposition als «reine» Musik geschätzt wird: «Daher mag sie einen vielleicht das Gedicht vergessen zu lassen, das mancher heutzutage als ziemlich abstossend bezeichnen könnte.»

Dehmels Popularitätslicht flackerte nur für kurze Zeit. Dasjenige von Arnold Schönberg hingegen beginnt mit der Aufführung der «Verklärten Nacht» erst richtig aufzuleuchten. Dieser Moment im Werdegang des Wieners lässt eine erste Vorahnung aufkommen, dass ein unauslöschliches Licht am Komponistenhimmel aufgegangen ist. Die Aufführung des Berner Kammerorchesters schöpft das Werk voll aus und demonstriert, in welcher Prägnanz es erklingen kann und welche unmittelbare Wirkung dann davon ausgeht. Schönbergs persönlich gefärbte Harmonik und sein wirkungsvoller Umgang mit Streichinstrumenten kreieren ein feines Stimmungsbild. Es lebt von einer starken Expressivität, die aber nie ins Überschwängliche kippt.

Das Berner Kammerorchester unter der Leitung von Johannes Schlaefli bleibt seinem Ruf treu und musiziert entschlossen und diszipliniert. Das Anliegen, das Werk auf einmalige Weise darzubieten, scheint gleichsam aus der Interpretation herauszuklingen. Sehr adäquat gelingen dabei die dünnglasigen Solostellen, vor allem im Wechsel der ersten Geige Johanna Richard mit der ersten Viola Dorothea Schmid Bögli. In der prägnanten Gestaltung evoziert das Orchester groteske Stimmungen. Die Luft scheint bisweilen still zu stehen in den Klangbildern.

Spielerische Leichtigkeit
Der erste Programmteil steht im Zeichen eines anderen immerleuchtenden Stars der klassischen Musik: demjenigen von Felix Mendelssohn. Nur 14 Jahre alt war dieser, als er das Doppelkonzert für Violine und Klavier schrieb. Und er beherrschte schon beide Instrumente, passte den Klavierpart gar an sein eigenes Können an. Dies wiederum heisst nicht, dass er leicht zu spielen wäre. Im Gegenteil: Sowohl Geige als Klavier können im Divertimento mit Virtuosität brillieren. Da schicken sich die Pianistin Ariane Haering und der Salzburger Geigenstar Benjamin Schmid beherzt hinein. Sie scheuen kein Wagnis, was sich etwa im dritten Satz zeigt, wo die Pianistin das Tempo angibt. Haering nimmt das Zepter in die flinken Hände und führt mit einer kecken Leichtigkeit durch die spieltechnisch schweren Passagen. Ausserdem funktioniert die Kommunikation zwischen den Solisten perfekt. Sie sind ein eingespieltes Team, das musikalische Phrasen persönlich ausgestaltet.

Michelle Ziegler

 

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Der BUND vom 29. April 2009

Alleluja der Weltreligionen

Musikalische Huldigung gestern und heute: Mit Werken des Jubilaren Joseph Haydn und des zeitgenössischen Komponisten Arthur Furer entführte das Konzert im Rahmen des Musikfestivals Bern in musikalische Höhen.

Wie soll das klingen, wenn die Weltreligionen sich für einen Lobgesang zusammenstellen und in ökumenischem Schulterschluss gemeinsam zu einer Gottheit jubilieren würden? Mit seinem 1994 uraufgeführten Vokalwerk «Lob der Gottheit» beantwortet Arhur Furer genau diese Frage. Der Berner Komponist (siehe Porträt im «Bund» vom 28. März) vereint darin Stilmittel und Zitate westlicher und östlicher Musikkulturen, weshalb der Komposition eine umfangreiche Recherche vorausgegangen ist. Ein dichtes Werk ist dabei entstanden, dessen Klangbild an ein farbenfrohes Potpourri erinnert.

Musikalischer Weltenbummler
Ein Gongschlag eröffnet die Komposition, die im Rahmen des Musikfestivals Bern aufgeführt wird. Damit entführt sie sogleich in asiatische Hörwelten, ein Effekt, der sodann durch Quartenklänge des Xylofons verstärkt wird. Doch das Gefühl, in fremde Klangsphären wegzudriften, stellt sich beim Hören nur kurzfristig ein. Über weite Strecken agiert Furer als musikalischer Weltenbummler. Er lässt in «Lob der Gottheit» das traditionelle westliche Orchester von fernen Ländern und Kulturen berichten, der Blickwinkel bleibt jedoch europäisch. Furer verwendet hauptsächlich westliche Stilmittel und Farblichkeiten. Er betreibt Lautmalerei, indem er den Inhalt des gleichnamigen Gedichtes von Karl Wilhelm Ramler mit musikalischen Mitteln nachdoppelt.

Anhand dieser dezenten Verfremdung schafft Furer indessen wunderlich und wunderbar klingende Passagen. Ihre Leuchtkraft in der Französischen Kirche verdanken sie einer gehaltvollen und beherzten Interpretation durch die Aufführenden.

Das Berner Kammerorchester beeindruckt einmal mit den Klangflächen eines exotischen Impressionismus, ein andermal tun es die ruhigen und kraftvollen Weisen des Baritons Marian Krejcik. Die beiden Solistinnen überzeugen im Kanon. Das helle, sanfte Timbre der Sopranistin Ines Schaffer mischt sich dabei sehr schön mit dem dunklen Mezzosopran von Astrid Pfarrer.

Himmlischer Haydn
Christoph Marti und Bruno Späti haben den Chor der Ehemaligen des Gymnasiums Neufeld gut vorbereitet. Dies zeigt sich nicht nur in Furers von Chromatik durchsetztem, aufführungstechnisch heiklem Werk. Auch in Joseph Haydns Motetten «De venerabili sacramento» interpretieren die Sängerinnen und Sänger bestimmt und solide in der Klanglichkeit. Sie gestalten Haydns Werk schwungvoll und anmutig in der Haltung. Zwei Sinfonien von Joseph Haydn bilden eine Klammer um das Programm und verdeutlichen beide auf eigene Weise, dass Haydns Gottesverehrung auch auf rein musikalische Weise passiert und keiner Worte bedarf. Die frühe Sinfonie Nr. 30 zitiert ein gregorianisches Alleluja. Dabei scheint das Berner Kammerorchester noch nicht richtig in Gang zu kommen. Laurent Gendre wählt das Tempo im Allegro rasant, auf Kosten der Präzision, das Andante hingegen wirkt träge. Nach der Pause ist der nicht überzeugende Einstieg allerdings vergessen, das Berner Kammerorchester läuft zu Hochform auf. In der Sinfonie «Le Miracle» überzeugen der erste und letzte Satz in waghalsigem Tempo. Das Menuett erklingt gravitätisch und sehr kultiviert. So feiert das Berner Kammerorchester den Jubilaren Joseph Haydn in der fast voll besetzten Französischen Kirche.

Michelle Ziegler

 

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Der BUND, Donnerstag, 19. Februar 2009

Unterwegs in einer Zwischenwelt

Ein mutiges Programm mit Werken von W. A. Mozart, Gustav Mahler und Igor Strawinsky erfuhr in den Vidmarhallen eine rundum begeisternde Umsetzung durch das Berner Kammerorchester BKO, das mit dem Figurentheater Spalanzani zusammenspannte.

Unterwegs sein, ohne jemals anzukommen – dieses Gefühl kennen sowohl Joseph aus «L’Histoire du soldat» von Igor Strawinsky als auch Gustav Mahlers fahrender Geselle. Mit dem Soldaten sowie dem Zyklus «Lieder eines fahrenden Gesellen» im Gepäck war das Berner Kammerorchester in den Vidmarhallen unterwegs – durch eine faszinierende Zwischenwelt aus Musik, Theater und Puppenspiel. Igor Strawinsky, der Dichter C. F. Ramuz und der Dirigent Ernest Ansermet konzipierten die Geschichte des Soldaten Joseph 1918 als Schauspiel auf drei Bühnenabschnitten, die Orchester, Darsteller und Erzähler zugeteilt wurden. Die Parabel vom jungen Mann, der sich auf der Suche nach seinem Glück mit dem Teufel einlässt, sollte auch von einer schlichten Wanderbühne inszeniert werden können, deshalb beschränkte man sich daher auf einfache Requisiten. Die Musik, welche die Handlung mal kommentiert und mal vorantreibt, ist für wenige Instrumente in solistischer Besetzung geschrieben. Das Berner Kammerorchester und das Figurentheater Spalanzani haben sich im Rahmen ihrer Zusammenarbeit weitgehend an die Vorgaben der Urheber gehalten und sie zugleich meisterlich in Szene gesetzt. Die Ausstattung bestand lediglich aus einem weissen Kubus, der als Bank, Tisch und Grenzstein diente, sowie einer Stellwand mit einem Fenster. Schwarz-weisse Projektionen und subtile Lichteffekte ergänzten die Szenerie, in welcher der begnadete Schauspieler Simon Engeli Josephs Hoffnungen und Tragik mit feiner, ausdrucksstarker Mimik und Körpersprache auslotete. Sein Gegenspieler, der Teufel, wechselte ständig die Gestalt und changierte zwischen Handpuppenformat und der vollen Körpergrösse eines erwachsenen Menschen.

Höllischer Verführer
Obwohl sein Gesicht stets dasselbe blieb, stellte die Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger den Teufel mittels weniger Kostümwechsel und geschickter Handhabung der Puppen als Trinkgesellen, Kartenspieler, Händler und alte Verkäuferin überzeugend dar. Der Kontrast zwischen dem starren Ausdruck der Puppen und Wohlgesingers lebendiger Sprache liess den höllischen Verführer unheimlich wirken. Dem Spiel von Engeli und Wohlgensinger stand Regisseurin Ulrike Monecke zur Seite, die als Erzählerin in packendem Tonfall immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich zog. Das Instrumentalensemble unter der umsichtigen Leitung von Johannes Schlaefli wurde jeder Situation des Stücks gerecht. Souverän und mit hoher Transparenz spielten sich die Musizierenden durch vertrackte Schlagzeugrhythmen, doppelgriffige Geigenmelodien und treibende Bläserläufe.

Positiver Gesamteindruck
Vor der Pause, in ganz anderer Atmosphäre, berührten im Anschluss an Mozarts heiteres Divertimento Nr. 11 vor allem die vielschichtigen Mahler-Lieder, zu denen die einnehmend warme Stimme der Mezzosopranistin Christina Metz perfekt passte. Zuweilen war die Sängerin allerdings etwas zu leise und wurde von den Instrumenten übertönt. Doch dies vermochte den positiven Gesamteindruck nicht zu trüben. Sowohl der Mut zur ungewöhnlichen Programmzusammenstellung als auch die gelungene Umsetzung lösten Begeisterung aus.

Stefan Bucher

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(Berner Zeitung) BZ, 19. Februar 2009

Musik für Fahrende und Verlorene

Das Berner Kammerorchester präsentierte in den Vidmarhallen die süss-traurige Geschichte eines verlorenen Soldaten.

Teufel gegen Mensch: Wer gewinnt am Ende? Natürlich der Teufel. Mit einer fiesen Grimasse feiert er tänzelnd seinen Sieg. In „L’histoire du soldat“ von Igor Strawinsky lässt sich ein Soldat vom Teufel seine Geige abkaufen für ein Buch, das ihm unendlichen Reichtum bescheren soll – ihm aber gleichzeitig Vergangenheit und Seele raubt.

Strawinskys Musik-Theater für kleines Ensemble, einen Sprecher und zwei Schauspieler, stand am Dienstag im Zentrum des Berner Kammerorchesters (BKO) in den Vidmarhallen. Das Orchester spielte unter der Leitung von Johannes Schlaefli lebendig und vollmundig, mit feinem Gespür für die Dramatik und Ironie des Werks. Ergänzt wurde die Musik von Ulrike Monecke (Sprecherin), dem Schauspieler Simon Engeli und der Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger des Figurentheaters Spalanzani.

Teuflisch lustig
Eindringlich und wandelbar präsentierte Rahel Wohlgensinger mit verschieden grossen Puppenfiguren den Teufel, der manchmal erschreckend böse, manchmal teuflisch lustig daherkam. Auch Ulrike Monecke und Simon Engeli trugen durch ihre Bühnenpräsenz zur Eindringlichkeit der Inszenierung bei....

Melancholisch und heiter
Das Berner Kammerorchester widmete sich aber nicht nur den Verlorenen, sondern auch den Fahrenden: mit Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“. Mahlers melancholisch-heitere Lieder sind äusserst emotional und vielschichtig. Der glasklare Mezzosopran von Christina Metz transportierte die Stimmung eindringlich, wirkte zwischendurch jedoch etwas kühl. Das Ensemble spielte präzise und engagiert ...

Maria Künzli

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Auszüge aus der Konzertbesprechung von Stefan Bucher im BUND vom 8.12.2008:

Vorweihnachtliches Festkonzert

Mozarts «Missa Solemnis» fügte sich mit Opern- und Ballettauszügen von Gluck und Beethoven zu einem emotional wechselvollen, mehrheitlich packenden Festprogramm.

Mit der antik-griechischen Legende um Orpheus, der seine verstorbene Gattin aus der Unterwelt zurückholen will, hat Christoph Willibald Gluck (1714–1787) ein Opernsujet gewählt, dem sich eine spannungs- und abwechslungsreiche Vertonung geradezu aufdrängt: So breit gefächert sind die dargestellten Emotionen Trauer, Liebe, Trotz, Freude, Angst und Wut, so schaurig fesselnd die Szenerien am Grab und in der Unterwelt mitsamt Furien und Gespenstern. Diese Vielschichtigkeit hat Gluck mit seiner Oper «Orfeo ed Euridice» von 1762 musikalisch vortrefflich umgesetzt. Das Berner Kammerorchester und der Amadeus-Chor sowie dessen Leiter Franco Trinca haben darauseine Auswahl Szenen zum spannungsvollen Festprogramm zusammengestellt.

Finstere Unterwelt
Nach der eingängigen Ouvertüre stimmte der Chor zunächst einen Trauergesang an, welcher von der Mezzosopranistin Ingrid Alexandre als Orpheus wiederholt seufzend und klagend unterbrochen wurde. Unter Franco Trincas energischen und auf Feinheiten bedachten Dirigat zeigten sich die Sängerinnen und Sänger stimmlich kraftvoll und wandelbar. Das Orchester begleitete sie mit dezentem, ausgewogenem und rundem Klang; das Spiel der Streicher geriet äusserst satt und präzise. Ingrid Alexandre wusste in den lediglich von zarten Pizzicati und Harfe untermalten Passagen durch ihre kräftige Stimme zu überzeugen. ....

Dynamische Bandbreite
Vom vielversprechend warmen und volltönigen Gesang des mexikanischen Tenors Oscar Roa dagegen hätte man gerne mehr gehört, und glücklicherweise kam seine Stimme in den Ensemble-Partien kräftig zur Geltung. Dem Chor bot sich die Gelegenheit, zwischen dem zarten Beginn des «Kyrie» und den schwungvollen Stellen in «Gloria», «Sanctus» und «Agnus Dei» changierend, seine dynamische Bandbreite zu demonstrieren. Allerdings schlichen sich gegen das Ende einige ungenau intonierte Höhen ins Sopran- und Tenorregister. Das Orchester berührte vorab in den weichen Harmonien des «Credo». ...

Stefan Bucher

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(Berner Zeitung) BZ vom 8.12.2008

Musikalischen Bilderbogen mit dem Amadeus-Chor

Dem Berner Kammerorchester (BKO) gelang mit dem Amadeus-Chor ein Festkonzert jenseits aller Schwerkraft.

Was durfte man dieses Jahr vom traditionellen Festkonzert erwarten, das unter der Leitung Franco Trincas stand, des Chefdirigenten des Stadttheaters Biel-Solothurn und Leiters des Amadeus-Chors? Als Alternative zur gängigen Musik der Adventszeit entschied man sich für einen musikalischen Bilderbogen aus den drei Gattungen der klassischen Musik. Oper, Ballett und Kirchenmusik fanden zu einem harmonischen Stelldichein zusammen. Eine kluge und ausgewogene Wahl.

Abstieg in die Unterwelt
Als Nymphen und Schäfer in Glucks «Orfeo ed Euridice» bestach der 56-köpfige Chor vom ersten Ton an durch klangliche Homogenität und vokale Geschmeidigkeit. Zwar wirkten die aufgebrachten Furien und Höllengeister des Hades noch etwas zurückhaltend. Doch dann, im Elysium, wo die Gefühle jeden einzelnen Sänger entfesselten, erstrahlte der Chor in faszinierendem und makellosen Glanz. Vom zartesten Piano bis zum kraftvollsten Forte folgte er flexibel seinem Dirigenten. Als Orfeo meisterte die junge Mezzosopranistin Ingrid Alexandre souverän ihre besonders in tiefen Lagen schwierige Aufgabe.

Zurück auf den Boden
Nicht ganz glücklich wurde Beethovens Ballettmusik, die Geschöpfe des Prometheus, in die Gluck-Szenen eingeschoben. Hier ging es um die Menschwerdung von Adam und Eva, die durch das Feuer des Prometheus «erleuchtet» und zur Erde geschickt werden sollen. Für das BKO bot sich nun die Chance, sein ausserordentliches Können unter Beweis zu stellen. Man nutzte diese ausgiebig, sei es in munteren Dialogen zwischen den einzelnen Bläsern, sei es in gepflegtem Tuttiklang.

Himmlischer Aufstieg
Mit der «Missa Solemnis KV 337» ruft sich Mozart als Kirchenmusiker in Erinnerung. Obwohl er Salzburg und dessen Konventionen als Hochburg der katholischen Kirchenmusik verpflichtet war, suchte er die starren Vorgaben aufzubrechen. So verschmolz er beispielsweise Chor und Orchester zu einem einheitlichen Konzertklang und bettete die vier Solisten nahtlos ein. Neben Ingrid Alexandre sangen die Sopranistin Ursula Trinca-Rytz (höhensicher und beweglich), der Tenor Oscar Roa (kraftvoll und strahlend) sowie der Bariton Michele Govi (schön, aber zurückhaltend) und setzten unter Mitwirkung aller Beteiligten diesem beinahe ausverkauften Konzert im Casino einen glanzvoll-festlichen Schlusspunkt.

Herta Stalder

linieDer Bund vom 23.10.08

Wien–Prag retour

Das Berner Kammerorchester BKO spielte zur Saisoneröffnung im Konservatorium Bern Bekanntes und Unbekanntes.

Dirigent Johannes Schlaefli und das BKO liessen sich vom österreichisch-böhmischen Musikleben vergangener Zeiten inspirieren. Als Solistin trat die junge Cellistin Mirjana Reinhard auf.

Es tut immer gut, seine Ohren mit unbekannter Musik zu verwöhnen, da man sich ganz unvoreingenommen dem Werk hingeben kann. So erging es wohl den meisten Zuhörerinnen und Zuhörern im grossen Saal des Konservatoriums mit Leopold Kozeluhs Sinfonie in g-Moll, die gleich zu Beginn auf dem Programm stand. Diese einzige in Moll stehende Sinfonie des böhmischen Komponisten gehört zwar zu dessen bekanntesten Werken, ist aber trotzdem nicht allzu häufig im Konzertsaal anzutreffen. Zu Unrecht, wie die Interpretation von Schlaefli und dem Berner Kammerorchester gezeigt hat. Die kurze, dreisätzige Sinfonie hinterliess einen sehr kurzweiligen Eindruck, was insbesondere an der konsequent packenden und lebendigen Ausdeutung durch den Dirigenten lag. Jede einzelne Phrase erhielt ihre Bedeutung, war gefüllt mit Spannung und Leben, praktisch keine Note versank in der Ausdruckslosigkeit. Johannes Schlaefli wusste bestens mit den impulsiven und farbigen Facetten dieser Sinfonie umzugehen und lotete die harmonischen und klanglichen Nuancen fein aus. Gerade der erste Satz gelang in dieser Hinsicht besonders schön. Anteil daran hatte auch das Berner Kammerorchester, das auf erfrischende Weise spielte und mit stetig wiederkehrendem Spannungsaufbau und feinen Phrasierungen fesselte. Ebenso in agogischen Belangen zeigte es sich anpassungsfähig, sodass die Gesamtleistung nahezu tadellos war. Die nach der Pause wiedergegebene «Prager Sinfonie» in D-Dur von Mozart konnte nicht ganz nahtlos an diese eindrucksvolle Leistung anknüpfen, unter anderem aus technischen Gründen: Die Mozart-Sinfonie erfordert eine grössere Bläserbesetzung, die ebenso eine Aufstockung der Streicher bedingte: Das Zusammenspiel und vor allem die Intonation waren nicht mehr ganz so sicher.

Charakter einer Ouvertüre

Das mit Anklängen an «Le nozze di Figaro» und andere Opern Mozarts versehene Werk liess einen zwischendurch schon fast glauben, einer Ouvertüre beizuwohnen. Der Dirigent wusste diesen Umstand für seine differenzierte dramaturgische Gestaltung zu nutzen. Er liess das Orchester die zahlreichen Kontraste und Überraschungen gekonnt hervorheben, ohne Effekthascherei zu betreiben. Einzig die Pauke hätte man vielleicht im ersten Satz etwas mehr zurücknehmen können. Vor der Pause hatte die junge Cellistin Mirjana Reinhard Gelegenheit, sich in zwei kürzeren Werken von Antonin Dvorak zu präsentieren («Waldesruh» op. 68, Rondo op. 94). Obwohl die beiden Stücke in der Anlage und im Charakter doch recht unterschiedlich sind, werden sie oft zusammen gespielt. Reinhard gelang es, den verschiedenen Stimmungen nachzuspüren, und überzeugte durch rhythmisch freies Spiel, sonoren Klang in den tiefen Lagen und wohlgeformte Phrasierungen. Auch wenn man zwischendurch hörte, dass die junge Cellistin sich noch in der Ausbildung zur Konzertreife befindet, legte sie eine für ihr Alter erstaunliche Bühnenpräsenz und technische Versiertheit an den Tag. Ein besonderes Lob gilt es hierbei auch dem Berner Kammerorchester auszusprechen, das immer wieder jungen Solisten die Chance gibt, vor einem grösseren Publikum aufzutreten und Bühnenerfahrung zu sammeln.

Michael Matter

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DER BUND vom 08.05.08

Lioba-Lockrufe unterm Kronleuchter

Innovationsfreudig: Das Berner Kammerorchester BKO liess sich im Kultur-Casino Bern durch die «Swissness» von Hackbrett und Alphorn herausfordern

Lange bevor Rapper Bligg mit der Streichmusik Alder zusammenspannte, haben Schweizer Musiker und Komponisten Volksmusik aus ihrem Kontext gelöst und mit andern Stilen vermählt. Mit Klassik zum Beispiel. Das BKO bewies: Es funktioniert.

Gaspar Fritz, Paul Huber, Jean Daetwyler, Kaspar Ewald? Bis zum Auftritt des Berner Kammerorchesters waren diese Schweizer Komponisten wohl vielen unbekannt. Im Kultur-Casino standen ihre Klangkünste jetzt im Mittelpunkt. Unter dem Titel «Swissness» servierte das BKO ein geballtes Programm aus Raritäten, Kuriosa und einer Uraufführung, in dem das klassische Orchester sich von Alphorn (Eliana Burki) und Hackbrett (Töbi Tobler) herausfordern liess.

Raffinierte Tour d’horizon
Die raffiniert konzipierte Tour d’horizon durch ein unbekanntes Stück Schweizer Musiklandschaft begann mit der g-Moll-Sinfonie des Genfer Komponisten Gaspard Fritz, einem Zeitgenossen von Leopold Mozart. Eine Rarität: Das Werk wurde erst kürzlich entdeckt. Das Berner Kammerorchester baute das Allegro schwungvoll in einem Atem von den Bässen her auf, liess im Andante das stürmische Drängen in ein filigranes Pizzicato münden. Der Hörraum schien sich ins Unendliche zu weiten, bevor die Tempi ins Schwanken gerieten. Im Schlusspresto überraschten die abrupten Trugschlüsse.

Auch Leopold Mozarts Sinfonia Pastorella von 1753 für Streicher und Alphorn (ursprünglich Hirtenhorn) wurde erst in den 1970er-Jahren entdeckt. Der schlichte Satz schien die kecke, später äusserst virtuose Alphornistin Eliana Burki zu unterfordern: Die braven Dreiklangspiele wirkten gekonnt, aber handzahm. Wen wunderts, Mozart beschränkte sich auf die «schönen» der 17 Alphorntöne. Vielschichtiger wusste der in Sierre wohnhafte Basler Komponist Jean Daetwyler (1907–1994) die Expressivität des Alphorns (auch der Bläser im Orchester) zu nutzen. Durch die pastoralen Kompositionen machte er das Alphorn salonfähig – samt dem melancholischen Lioba-Lockruf des Kuhreigens, der im Licht der Casino-Kronleuchter geradezu exotisch anmutete. In Paul Hubers Konzert von 1994 schaffte Töbi Tobler am 125-saitigen Hackbrett das Erstaunliche, er zeigte durch sein beredtes Spiel (Kadenz), wie schnell sich Wahrnehmungsmuster verschieben und sich im Vertrauten die Facetten des Fremden spiegeln: Im schillernden Klang des appenzellischen Hackbretts ahnte man das Ur-Instrument, die persische Santur.

Anspruchsvoll zum Schluss: «Schneebrett», ein komplexes Konzertstück für Orchester, zwei unterschiedlich gestimmte Alphörner und Hackbrett. Kaspar Ewald (geb. 1969), ein erfahrener Jazzer, gestaltet darin ein mindestens vierdimensionales polyrhythmisches Vexierbild, in dem Quintparallelen und Tritonusintervalle ihre Widerhaken ausfahren und Streicherglissandi für Unebenheiten im Hörbild sorgen. Ein ungewöhnliches Work in Progress, das das hörende Denken des Klassikpublikums schärfte. Dass sie ohne Auftrag wohl kaum entstanden wäre, tat ihrer experimentellen Qualität keinen Abbruch.

[i] Das Konzert wird am 14. Mai in Freiburg (Aula Uni) und am 1. Juni in Wien (im Rahmen der Kulturaktivitäten der Stadt Bern anlässlich der Euro 08) wiederholt.

Marianne Mühlemann

 

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DER BUND vom 20.03.2008

Vielseitig und eigenwillig

Das Berner Kammerorchester überzeugte unter der Leitung des Dirigenten Matthias Kuhn

Lebendiges Spiel, ein abwechslungsreiches Konzertprogramm mit schwachem Mittelteil und eine beeindruckende Solistin waren die Zutaten des Konzertes im Berner Konservatorium.

Den Beginn nahmen das Kammerorchester und Matthias Kuhn mit Elan – passend zum ersten Satz von Carl Philipp Emanuel Bachs dritter Hamburger-Sinfonie in C-Dur, der nebst harmonisch-tonaler Vielfalt von energischen Unisono-Läufen und raschem Tempo geprägt ist. Kuhn dirigierte äusserst präzise und bewies im weiteren Verlauf des Werkes sein Gespür für unterschiedliche musikalische Stimmungen. So ertönte klagend der von dissonanten Akkorden und seufzend absteigenden Melodiefragmenten durchzogene Mittelsatz, und auch die Anmut des liedhaften Themas im abschliessenden Allegretto kam schön zur Geltung.

Vorzügliche Solistin
Schwachpunkt des Programms war das Konzert Nr. 6 für Klavier, obligate Flöte und Streichorchester («Suisse») der kaum bekannten Genfer Komponistin Caroline Boissier-Butini (1786–1836). Dies lag nicht an der vorzüglichen Leistung der Pianistin Eva-Maria Zimmermann, sondern am Stück selbst. Während das volkstümlich-eingängige Thema dem ersten Satz noch eine charmante Leichtigkeit verlieh, wirkten die nicht sehr inspirierten Variationen des Andantino und die schier endlosen Sechzehntelketten im Schlusssatz ermüdend, zumal auch harmonisch nicht viel geschah. Die schnellen Läufe boten Zimmermann allerdings Gelegenheit, ihre stupende Technik zu demonstrieren. Musikalisch beeindruckte die Solistin ausserdem mit sensiblem Anschlag, Dynamik und Ausdruckskraft...
Nach der Pause veränderte sich die Atmosphäre des Konzertes auf originelle Weise, wodurch die Musikerinnen und Musiker ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellten. Mit «Urgence», dem dritten Teil aus der Suite «Le Temps» (2006) der 1960 geborenen Freiburger Komponistin Caroline Charrière, erklang ein spannungsgeladenes Werk, in dem treibende, flirrende Tonwiederholungen und chromatische Figurationen effektvoll mit geradezu zarten Melodiebögen kontrastierten, was dem Titel des Stückes alle Ehre machte. Das Orchester spielte mit Nachdruck und liess sich auch von rhythmisch vertrackten Akzenten nicht beirren.

Schwungvoller Abschluss
Zuletzt gelangte die Streichersinfonie Nr. 9 c-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy zur Aufführung. In dem variantenreichen Werk wechselten sich schwermütige Mollklänge und getragene Passagen mit heiteren Melodien in Dur ab, was die kompositorische Differenziertheit und erstaunliche emotionale Tiefe des erst 14-jährigen Meisters deutlich machte. Nach der langsamen Einleitung benötigte das Ensemble bei seinem ersten Allegro-Einsatz einige Takte, um Kuhns forderndes Tempo aufzunehmen. Dies war auch im Anschluss an das ruhigere Trio innerhalb des geschwinden dritten Satzes der Fall. Die leisen Töne im zu Herzen gehenden Andante wurden überdies nicht alle sauber intoniert. Im letzten Satz hingegen legten alle Ausführenden noch einmal eine Lebendigkeit und Prägnanz an den Tag, welche das Konzert dem Charakter des Stücks entsprechend schwungvoll zum Abschluss brachten.

Als freudige Erinnerung bleiben Eva-Maria Zimmermanns virtuose solistische Darbietung sowie ein bei aller Kritik abwechslungsreiches und eigenwilliges Konzertprogramm, das dem Dirigenten und dem Orchester hohe Anpassungsfähigkeit und einiges an Spieltechnik abverlangte, was diese trotz gewissen Abstrichen souverän meisterten.

Stefan Bucher

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