|
PRESSESTIMMEN
2006/2007

BUND vom 17.12.2007
Eine Trompete und viel festlicher Glanz
Publikumsmagnet Sergei Nakariakov war Solist beim Berner Kammerorchester im Kultur-Casino Bern unter der Leitung von Johannes Schlaefli
Ein Festkonzert ganz ohne Weihnachtsmusik: Mit Originalwerken von Mozart und Rossini und Bearbeitungen von Tschaikowski bis Arban sorgte das Berner Kammerorchester für ein Konzert, in dem beredtes Solo- und brillantes Ensemblespiel kultiviert wurden.
Von der Musik, die der russische Trompeter Sergei Nakariakov im Kultur-Casino als Zugabe anstimmt, genügen drei Takte, um ein Glänzen in die Augen der Zuhörenden zu zaubern. Die meisten könnten sie mitsummen, die betörend schöne Melodie. Sie gehört zu den bekanntesten der klassischen Musik. Nicht zuletzt deshalb, weil sie immer wieder Gegenstand von Bearbeitungen und Adaptionen wurde. So bekannt ist sie. Bloss, von wem? Pachelbel, Purcell, Bach oder Albinoni? Während noch gerätselt wird, klingt sie aus – die «Air» aus der Streichersuite Nr. 3 BWV 1068 von Johann Sebastian Bach. Ein Kleinod barocker Gestaltungskunst.
Sergei Nakariakov bringt die ausladende Melodie zum Aufblühen, während das Berner Kammerorchester (BKO) unter der Leitung von Johannes Schlaefli einfühlsam für die klingende Umgebungsarbeit sorgt: Es grundiert die meditative Atmosphäre durch irisierend bewegte Akkordflächen, hält mit ruhigem Puls die voranschreitende Basslinie unter Kontrolle. Ein Zauber von Feierlichkeit breitet sich aus, verbindet die Menschen im Kultur-Casino – ähnlich wie vor drei Jahren, als Nakariakov im vorweihnachtlichen Festkonzert des BKO das Publikum bei der Zugabe von «Stille Nacht» gar zum Mitsingen verführte.
Wie eine menschliche Stimme
Wer ihn einmal gehört hat, möchte ihn wieder hören. Ein Grund dafür ist Nakariakovs Kunst, seine Trompete lyrisch und dramatisch einzusetzen, so als wäre sie eine menschliche Stimme. Wenn er spielt, scheint er zu singen. Deutlich wird das in den Variationen über die Auftrittsarie «Casta Diva» der Norma aus Vincenco Bellinis gleichnamiger Oper. Zwar fehlt in Jean-Baptiste Arbans Übersetzung der Arie für Trompete das Beschwörende. Dafür gewinnt der Solist dem melodischen Fluss durch seine phänomenale Atemtechnik und den geräuschlosen Ansatz eine lyrische Belcanto-Geschmeidigkeit ab. Er artikuliert im virtuosen, mit Tonwiederholungen gespickten Schlussteil die Töne so sauber und präzis, als wären es Stiche in einen edlen Haute-Couture-Stoff, den ihm das BKO zur Verzierung ausbreitet.
Die Empfindsamkeit in Tschaikowskys Rokoko-Variationen gibt der Russe nicht mit der Trompete, sondern mit dem Flügelhorn wieder. Der weichere Klang, dessentwegen das Instrument auch Geige des Blasorchesters genannt wird, verschmilzt ideal mit den Klängen der Celli, die sich zum Schluss auch in eindringlichem Unisono exponieren. Tschaikowskys Suite Nr. 4 (Mozartiana) gefällt als Album aus farbig instrumentierten Sätzen: Neben Harfe (Preghiera), Glockenspiel und Schlagzeug (Variationen) erhalten hier die Bläser- und Streichergruppen des Berner Kammerorchesters Gelegenheit zu solistischen Einsätzen, sie meistern ihre Aufgaben mit Bravour...
Marianne Mühlemann

BUND vom 1.11.2007
Muntermacher zum Saisonauftakt
Das Berner Kammerorchester spielte im Konservatorium Werke von Béla Bartók, Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven.
Die erste Sinfonie von Beethoven, Bartoks letztes Werk, das er in Europa schrieb, und eine junge Berner Nachwuchssängerin: Dies waren die Pfeiler eines spannungsvollen Konzerts mit dem Berner Kammerorchester unter der Leitung von Johannes Schlaefli.
Der gerade 30-jährige Beethoven muss sich ins Fäustchen gelacht haben beim Gedanken an die verdutzten Gesichter der Wiener Konzertbesucher, denen er im April 1800 sein Opus 21 präsentierte. Denn einiges an dieser ersten Beethoven-Sinfonie muss für damalige Ohren überraschend geklungen haben.
Das beginnt schon beim ersten Akkord, den das Berner Kammerorchester (BKO) wie eine rhetorische Einleitungsfrage in den voll besetzten Konservatoriumssaal ausschwingen lässt. C-Dur erwartet man, diese helle Klangsphäre, mit der man als Instrumentalmusiker leichte Stücke für Anfänger in Verbindung bringt. Doch Beethoven beginnt nicht auf festem Boden. Sein Auftakt ist ein Dominantseptakkord, der den harmonikalen Raum wie durch eine Drehtür öffnet: Die Annäherung an die Grundtonart wird zum Abenteuer. Mit federndem Dreiachteltakt bringen die Streichergruppen des BKO die Hörwelt ins Wiegen, mit kühnen Betonungsverschiebungen die Balance ins Wanken. Ein witzig-heiterer Muntermacher, zu dessen Leuchtkraft die Bläser im Schlussallegro wesentlich beitragen.
Düsterkeit dringt durch
Eine andere Welt, und nicht nur weil hier die Bläsergruppe fehlt, eröffnet sich in Bela Bartoks Divertimento op 113. Das Stück entstand 1939 in Saanen als Auftragsarbeit für seinen Förderer Paul Sacher und ist das letzte Werk, das Bartok in Europa geschrieben hat....
...Johannes Schlaefli führt die Streicher behutsam in die erdige Klangwelt, die in den Celli und Kontrabässen Töne hervorbringen wie von trockenem Holz, das plötzlich in Flammen aufgehen könnte. Der Dirigent lenkt den Blick nach innen, auf das impressionistische Raunen der Stimmen, auf die präzisen Unisoni, in denen die Energien gebündelt und beruhigt werden. Eine geschickt eingefädelte Dramaturgie.
Im zweiten Satz ist es das Schwebende, das berührt. Wie durch den Nebel sind die Konturen von Klängen vernehmbar, die beim Näherkommen nicht nur lauter, schriller, sondern auch schmerzhafter werden. Zum Schluss triumphiert der tänzerische Kehraus (Celli). In den Vordergrund rückt die kleine Fuge, die sich den Weg durch die Streicher bahnt, das bewegende Geigensolo der Konzertmeisterin Johanna Richard – begeisternd.
Eindrückliche Leila Pfister
«Arianna» heisst der Konzertabend. Der Name bezieht sich auf das Herzstück im Programm, «Arianna a Naxos», eine selten gehörte Arie von Joseph Haydn. Der jungen Berner Mezzosopranistin Leila Pfister gelingt es eindrücklich, mit sorgfältiger Phrasierung und natürlich timbriertem Mezzosopran den zwischen Sorge, Verzweiflung und Auflehnung changierenden Gefühlsausbrüchen der verlassenen Arianna stimmlich Ausdruck zu verleihen, ohne dass sie die überschwängliche Dramatik im Orchester überzeichnet.
Marianne Mühlemann

BUND vom 24.5.2007
Erfrischende Grenzgängeleien
Das Berner Kammerorchester überrascht im Kulturcasino mit Werken von Rodion Schtschedrin, Mozart und Sophie-Carmen Eckhardt-Gramatté
Oft- und Niegehörtes, Bewegtes und Bewegendes, die Kontraste prallen im Saisonschlusskonzert des BKO aufeinander. Während der Klarinettist Dimitri Ashkenazy mit Mozart für empfindsame Momente sorgt, setzt das Tanzpaar Norbert Steinwarz und Inés Hérnandez auf Pathos und eine Prise Frivolität.
Die Habanera hebt an. Im lasziv punktierten Zweivierteltakt legt sie ihre synkopischen Schlingen aus. Berauschend, das kubanische Kolorit. Der russische Komponist Rodion Schtschedrin lässt es in seiner 1964 entstandenen „Carmen“-Suite nach George Bizet üppig aufblitzen. Die hochprozentigen Rhythmen tun ihre Wirkung schnell: Mitten hinein in die mediterrane Musik steigt ein Weib mit aufreizendem Leib. Über die Ballustrade klettert die Schöne, flaniert frech durch den Boulevard aus Kesselpauken und ersten Geigen. Breitbeinig und mit gefährlich vorgeschobenem Becken. Als ob die Musikerinnen und Musiker des Berner Kammerorchesters die drohende Grenzgängelei zwischen Musik und Tanz, Tänzerin und Dirigent durch ihr Spiel abwenden könnten, heften sie ihre Blicke noch konzentrierter in die Noten. Da hat die Wildkatze schon das Pult des Dirigenten erreicht. Sie lässt sich vom Maestro eine Zigarette anzünden, klemmt sich seinen Taktstock zwischen die Zähne und fordert ihn zum Tanze auf.
Physisches Vexierspiel
Nur kein Mitleid. Dirigent Johannes Schlaefli hat die aussermusikalische Episode selber eingefädelt. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Weder der heisse Flirt des Torrros und später Don Josés (brillant in der Doppelrolle Norbert Steinwarz) mit der Flamenca (Inés Hérnandez), noch die Eifersuchtsszene, die sich in der Musik in vibrierenden Tremoli und im Tanz in arabesken Schlangenarmen ausdrückt. Die physische Präsenz in Rodion Schtschedrins klingendem Vexierspiel kommt der tänzerischen Andeutung entgegen. Besonders eingängig ist sie da, wo auf Minimalismus gebaut (Changing of the Guard) oder ironische Brechung vertraut wird: Wenn die Musiker sich als kollektive Register erheben und setzen, als hätte ein Scheinwerfer ihre Eitelkeit gekitzelt, wirkt das wie ein Bewegungschor.
Uneitel geht vor der Pause der Klarinettist Dimitri Ashkenazy in Mozarts bekanntem Klarinettenkonzert ans Werk. Es ist 1791, in Mozarts Todesjahr entstanden. In Ashkenazys Interpretation wird dies spürbar.
Empfindsam ausgelotet
Während der 38-jährige Isländer mit der Zugabe – einer hinreissenden, Manuel da Falla gewidmeten Etude von Bela Kovacs – das spanische Idiom der Carmen-Suite bereits ohrenfällig vorwegnimmt, sucht er bei Mozart die Balance zwischen innerer Empfindsamkeit und äusserer Bewegtheit auszuloten. Ashkenazy verzichtet auf auftrumpfende Kontraste, rasant zugespitzte Virtuosität und formt die Lyrik der Melodien in glasklaren Linien und gemessenen Tempi aus. Dadurch gelingt es ihm, die Schwerelosigkeit seines Spiels mit Melancholie zu erden, berührend. Das Berner Kammerorchester begleitet mit Bedacht, sucht die sphärischen Pianissimi nicht zu überdecken und ist dem Solisten im strahlenden A-Dur-Schluss ein ebenbürtiger Partner. Zum krönenden Finale einer erfolgreichen Konzertsaison hätte man dem Berner Kammerorchester einen vollen Casinosaal gewünscht...
...Doch dieses kleine Molto sostenuto ist eine Entdeckung. Unscheinbar und ganz ohne grenzgängelnde Neutönerei öffnen sich hier weiträumig unbewegte Klanglandschaften und Unisono-Oasen, deren Intensität von innen kommt.
Marianne Mühlemann

BUND vom 6.3.2007
Der Provokateur und die Muse
Wie sie passt auch er in kein Kästchen: In „Concerto!“ mit dem Berner Kammerorchester finden die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Komponist Jürg Wyttenbach kongenial zusammen.
... Ein Stück wünscht sie von ihm, bei dem sie nicht nur Geige spielen, sondern auch tanzen und singen kann. ... Und nun also „marcia FUN“, ein im Auftrag der Pro Helvetia entstandenes Oeuvre für das Berner Kammerorchester und seinen Dirigenten Johannes Schlaefli, das ihm Rahmen des Veress-Festivals im Kulturcasino zur Uraufführung kam – neben Mozarts 4. Violinkonzert mit ausdrucksvollen Gesangslinien, reizendem Rondoschluss und eigenwilligen Kadenzen, Schuberts fünfter Sinfonie und Sándor Veress’ raffinierter kleiner Gebrauchsmusik „Expovare“, die der Komponist für die Schweizerische Landesausstellung von 1964 komponiert hat.
Witzig und hintergründig
Dass der Titel „marcia FUN“ nach „marche funèbre klingt, ist Kalkül: Komödiantische Wortspielereien und Tragisches legt Wyttenbach in den zwölf konzertanten Szenen nahe zueinander...Wie er Musikbetrieb und Publikum auf die Schippe nimmt, ist witzig und hintergründig zugleich. Im Visier hat Wyttenbach die Rituale des klassischen Konzertbetriebs. Seine Ganzkörperanweisungen in der Partitur lassen einige Tabubrüche erwarten...
Kopatchinskaja ist in ihrem Element. Sie tänzelt und parliert (auf Berndeutsch und Englisch Gedichte nach Dorothy Parker), kratzt den Steg, forciert Glissandi, klopft den Geigenkasten, dass man kaum seinen Ohren traut. Brillant changiert die Geigerin zwischen den gestalterischen Extremen, inszeniert Staccatoattacken mit Saitenriss, einen Fechtkampf mit der Konzertmeisterin. Und das hervorragend disponierte Berner Kammerorchester und sein Dirigent machen den turbulenten Spass mit, in dem nichts improvisiert wird. Ein Fest für ein mutiges Orchester – und ein entdeckungsfreudiges Publikum.
Marianne Mühlemann

Der BUND vom 3.2.2007 (pof)
Blick zurück mit Horn
Das BERNER KAMMERORCHESTER setzte Sándor Veress im Konservatorium ein klingendes Denkmal
…Der in jeder Hinsicht brillante, virtuos zwischen den Instrumenten wechselnde Solist Olivier Darbellay und seine vier Hornkollegen aus dem Berner Kammerorchester kosteten die bezaubernd rohen, bisweilen ätherischen Klänge mit der gebotenen Fokussierung aus.
Sprechende Stille
…Die Gegenüberstellung mit Darbellays delikat geblasenen Ventilhorntönen und den temperierten, aber auch temperamentvollen Klängen des kooperativen Berner Kammerorchesters unter der umsichtigen Leitung des in Bern auch als Hornist bestens bekannten Gastdirigenten Philippe Bach suggerierte ein Gefühl von Weite, obschon die sieben kurzen Sätze jeweils nur einen Gedanken kurz auf den Punkt brachten…

Der BUND vom 14.12.2006
Koloraturen wie Lichterketten
Festkonzert voller Glanzpunkte: Das BERNER KAMMERORCHESTER mit der Sopranistin Anne-Florence Marbot im Kultur-Casino Bern

... Bildete Nadelmann im Festkonzert 2005 des Berner Kammerorchesters (BKO) den strahlenden Mittelpunkt, ist es dieses Jahr die Marbot. Und nur gerade zwei Tage nach dem ausverkauften Festkonzert von Postfinance Classics mit Nadelmann im Kultur-Casino sorgt auch Anne-Florence Marbot für ein volles Haus. Es ist kein Zufall: Mit ihrem künstlerischen Potenzial könnte Marbot in ein paar Jahren durchaus in Nadelmanns Fussstapfen treten.
Im Festkonzert des Berner Kammerorchesters betört sie mit jugendlichem Charme und perlend-glockenhellem Sopran, in einem Best-of-Programm, das auf ihre Verwandlungsfähigkeit zugeschnitten ist...
Feurige Wassermusik: Auch das Berner Kammerorchester unter der Leitung von Johannes Schlaefli wirkt beflügelt: Mit lebendiger Geste und feurigem Temperament gestaltet der Dirigent Händels „Wassermusik“-Suite. Fehlen zu den Fanfaren und Trommelwirbeln nur noch die Paparazzi: Es ist, als ob man am Ufer der Themse steht und auf den vorbeifahrenden Schiffen des englischen Königs Georg I. das Bordorchester und die gepuderten Häupter der illustren Gesellschaft beim koketten Parlieren und Repräsentieren beobachten könnte. Für diese königlichen Freiluftkonzerte nämlich hat Händel seine effektvolle Wassermusiken komponiert.
Mit ganz anderen, transparenteren Klangfarben malt das BKO den vorwärts treibenden Charakter des „Andante von moto“ sowie das stürmische Saltarello-Finale aus Mendelssohns 4. Sinfonie...
...Der Erfolg des zwischen Sinnlichkeit und Besinnlichkeit oszillierenden Konzertabends ist nicht zuletzt der Verdienst des von Christoph Marti und Bruno Späti gut vorbereiteten Chors der Ehemaligen Gymnasium Neufeld. Die rund sechzig Sängerinnen und Sänger bereichern das Festkonzert mit stimmungsreichen Beiträgen, in denen die präzisen Einsätze ebenso auffallen wie die kultivierte Klanglichkeit, die sich durch alle Stile und Sprachen von Händel, Mozart bis Bellini fortsetzt.
Marianne Mühleman

Der BUND vom 21.9.2006 (Marianne Mühlemann)
Zündende Klangspiegelungen
Hervorragend disponiert eröffnet das BERNER KAMMERORCHESTER (BKO) im Konservatorium Bern die neue Konzertsaison

Das Mozart-Jahr ist noch nicht aus-, das Veress-Jahr noch nicht eingeläutet – für das Berner Kammerorchester und Dirigent Johannes Schlaefli bildet diese Ausgangslage eine willkommene Einladung für eine Hommage mit kontrastreichen Werken voller inspirierender Bezüge.
...Dass Veress seine Hommage 1951 speziell für das Berner Kammerorchester komponiert hat, ist in Vergessenheit geraten, seit die Camerata Bern das effektvolle Stück gleich mehrmals aufgeführt hat. Durch die originelle Programmwahl und die hervorragende Disposition des Berner Kammerochesters wird es ein Konzertabend voll innerer Bezüge: Sándor Veress liess sich von Paul Klee zu Musik inspirieren. Klee wiederum schätzte Mozart über alles, unter anderem seine „Jupiter-Sinfonie“, die das BKO mit kernig schmetternden Naturfellpauken, Naturhörnern und –trompeten zum krönenden Abschluss seines Konzerts im Konservatorium Bern erklingen lässt.
Auch der Konzertort ist kein Zufall: Hier an der Kramgasse war Sándor Veress ein Vierteljahrhundert lang als Kompositionslehrer tätig und bildete eine ganze Generation von Schweizer Musikern und Komponisten aus, ...
Einen Glücksfall bilden die beiden Pianisten Adrian Oetiker und Benjamin Engeli. Die heitere Beredtsamkeit und Perfektion ihres Zusammenspiels lässt auf eine grosse musikalische Vertrautheit schliessen. ... Die beiden Pianisten bilden ein harmonisch kooperierendes Gespann aus eigenständigen Interpretenpersönlichkeiten, die in einem nuancenreichen, natürlichen Gestaltungsdialog die feinen Charakterunterschiede in den beiden Klavierparts auszuloten wissen. Durch die beschwingten Tempi gewinnen sie den kontrastreichen Partituren ein Höchstmass an Verbindlichkeit und Emotionalität ab. Nie steht dabei der Effekt im Vordergrund, die Sorgfalt beim Gestalten und Artikulieren ist auf das Aufblühen der Klangfarbe und Charakterisierung der Rhythmen (Veress) gerichtet. Das BKO unter der Leitung von Johannes Schlaefli begleitet einfühlsam und selbstsicher (schöne Soli).

Der BUND vom 4.5.2006
Von Bach bis Piazolla
Die schwerblütige Grundstimmung der Tangomusik rühre daher, dass die Musiker nur ein Instrument im Arm halten und nicht eine Partnerin aus Fleisch und Blut, wird gelegentlich behauptet. Am Konzertabend mit dem Berner Kammerorchester im Kultur-Casino sind solche Gedanken fern. Die Musikerinnen und Musiker spielen mit Hingabe und Heiterkeit: In Heitor Villa-Lobos’ zündenden „Bachianas Brasileiras“ (Nr. 2 und 4) verwandeln die Streicher den von herben Dissonanztrübungen geprägten Melodiefluss ins Schwärmerische. Jazzig reissen sie in der „Aria“ die Melodien ein, entladen in der „Danza“ Klanggewitter oder lassen in der „Toccata“ die Dampfeisenbahn anrollen. Feurige brasilianische Volksmelodien in Bach’schen Strukturen - eine Liaison, die ebenso aufhorchen lässt wie der tänzerische Wiener Charme, der die Serenata von Alberto Nepomuceno durchströmt.
Tänzerisch-bewegt im wörtlichen Sinn geben sich auch Astor Piazollas Tangazo-Variationen. Nach dem holzschnittartigen Unisonobeginn spielt das Orchester den Tanzenden Sabina Seiler, Julio Mendez und Sipho Manashe (Cie Milpasos) die Leidenschaft unter die Füsse...
Es ist nicht das erste Mal, dass das BKO die Konzertbühne mit Tänzern teilt. Zum ersten Mal jedoch dirigiert Carlos Moreno das BKO... Als Chefdirigent des Sinfonieorchesters von Sao Paulo scheint er der Mann der Stunde zu sein in einem Konzert, das schwergewichtig mit Werken aus dem lateinamerikanischen Raum bestückt ist.

Pressestimmen 2010 und 2011
Pressestimmen 2008 und 2009
Pressestimmen 2004 und 2005 |