CARTE BLANCHE FÜR DANIEL GLAUS

Passacaglia fugatum – ein komponiertes Programm
für Conradin Brotbek und das BKO

Dienstag,
13. September 2011

Hauptkonzert 20.00 Uhr, Münster Bern
Vorkonzert 19.15 Uhr, Münster Bern

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Daniel Glaus
Orgel und Leitung
Conradin Brotbek
Violoncello
Vorkonzert
(19.15 Uhr)

Daniel Glaus, Orgel

Johann S. Bach
(1685-1750)
Passacaglia et Thema fugatum
c-Moll, BWV 582
Frank Martin
(1890-1971)
Passacaille pour orgue
(1944, dédié à Kurt Wolfgang Senn)

***
Hauptkonzert
(20.00 Uhr)
Daniel Glaus, Orgel und Leitung
Conradin Brotbek, Violoncello
Johann S. Bach Passacaglia et Thema fugatum
c-Moll, BWV 582
Orchestration von Daniel Glaus (2011, Uraufführung)
Heinrich I. F. Biber
(1644-1704)
Passacaglia
Version für Violoncello solo von Loretta O`Sullivan
Frank Martin
(1890-1974)
Passacaille
Version pour orchestre à cordes (1952)
Daniel Glaus
(*1957)

Passacailles fugitives
für Violoncello und die Grosse Glocke des Berner Münsters (2011), Uraufführung der Grossen Glocke zu ihrem 400. Giesstag (14.9.1611) gewidmet

Réminiscences évoquées par la Passacaille de Bach pour violoncelle et orchestre
(1999, nouvelle version 2011, Uraufführung)

Dieses Konzert wird unterstützt durch die bbgBurgergemeinde Bern

Eine Veranstaltung des Kammerorchester Bern und des Musikfestival Bern.

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Zum Saisonauftakt vergibt das BKO seine erste Carte Blanche an den Berner Komponisten und Organisten Daniel Glaus, der die Gelegenheit nutzt, sich auf vielfältige Art und Weise einem Werk Bachs anzunähern. Das Konzert findet im Rahmen des Musikfestivals Bern statt und bildet zugleich den Abschluss der Abendmusiken im Berner Münster: Für dieses dreifach eingebundene Klangereignis mit Kompositionen von Bach, Biber und Martin sowie Uraufführungen von Werken Glaus` selbst bietet der spätgotische Kirchenraum den perfekten Rahmen.

Der Münsterorganist und Träger des Grossen Musikpreises des Kantons Bern 2009 stellt Johann Sebastian Bachs Passacaglia et Thema fugatum als Ausgangspunkt ins Zentrum seines Konzerts. Die Orgelversion der Komposition eröffnet den Abend und bildet mit Glaus` eigenen, von Bach inspirierten Réminiscences évoquées par la Passacaille de Bach, die am Schluss erklingen, eine Klammer um das spannende Programm. Seit langer Zeit fühlt sich Glaus von Bachs Passacaglia in den Bann gezogen – einer musikalischen Reise «durch die Welt, durchs Leben, über Höhen und durch Abgründe», wie er es ausdrückt. Der Terminus ‚Passacaglia’ leitet sich von den spanischen Worten ‚pasar calle’ ab, auf Deutsch ‚durch die Gasse gehen’. Als Gattungsbezeichnung tauchte der Begriff denn auch erstmals in Spanien auf, im Zusammenhang mit Gitarrenmusik des 16. Jahrhunderts. Er verbreitete sich alsbald nach Italien, Frankreich und Deutschland, wobei sich unterschiedliche Kompositionsweisen etablierten. Gemeinsam war allen Passacaglie ihre Grundstruktur, die aus einem ostinaten Bass besteht, über den oftmals improvisiert wurde.

In Bachs Orgelwerk wird beispielsweise ein 15-töniges Bassthema nicht weniger als 21 Mal variiert, bevor es in einer Doppelfuge von gewaltigen architektonischen Ausmassen gipfelt. Daniel Glaus spielt die beeindruckende Komposition im Vorkonzert allein auf der Orgel, zu Beginn des Hauptkonzerts greift sie das BKO in einer neu erstellten Orchestrierung auf. Die Réminiscences schliesslich teilen Bachs Altstimme Conradin Brotbeks Solocello zu, dessen Linien von Orchestergruppen umkreist werden. Direkt auf Bachs Passacaglia bezieht sich Frank Martins Passacaille pour orgue. Auch ihr liegt ein Bassostinato zugrunde, dessen chromatische Gestalt allerdings auch den Einfluss der Zwölftontechnik offenbart. Hinzu gesellt sich eine Oberstimme, die wie ein zweites Thema in variierter Form immer wiederkehrt. Das Stück erlebte 1944 im Berner Münster seine Uraufführung und wurde später vom Komponisten selbst je einmal für Streich- und grosses Orchester gesetzt. Sowohl die Orgel- als auch die Streicherfassung sind am heutigen Konzert zu hören.

Zwei weitere Kompositionen geben Conradin Brotbek ausserdem die Möglichkeit, die verschiedenen klanglichen Dimensionen seines Instruments auszuloten. Zunächst interpretiert er die Passacaglia von Heinrich Ignaz Franz Biber, welche dieser ursprünglich für eine Geige schrieb. Auch hier entwickelt ein Bassthema mittels Variationen ungemein abwechslungsreiche Formen; das harmonische Fundament hingegen bleibt bis zum Ende bestehen. Einen Höhepunkt des Abends in mehrfacher Hinsicht stellt sodann die Uraufführung von Daniel Glaus` Passacailles fugitives für Cello und die Grosse Glocke des Berner Münsters dar. Letztere feiert dieses Jahr ihr 400. Jubiläum – womit die ‚flüchtigen Gassenspaziergänge’ sowohl zum Motto Flucht des Musikfestivals passen wie auch als Geburtstags- bzw. Giesstagsgeschenk an den Ort ihres ersten Erklingens fungieren.

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Daniel Glaus

glausDer äusserst vielseitige Berner studierte Komposition, Orgel, Musiktheorie und Dirigieren in seiner Heimatstadt sowie in Paris und Freiburg im Breisgau. Als Dirigent leitete er unter anderem das Ensemble Ad hoc Bern, das sich auf zeitgenössische Musik spezialisierte, die Liturgische Singgruppe der Stadtkirche Biel sowie zahlreiche Projekte an der Zürcher Hochschule der Künste und Uraufführungen eigener Werke. Zu diesen zählen Streichquartette und Klaviertrios ebenso wie Orgelmusik und Oratorien, zudem Kantaten, Motetten, Orchesterwerke und Kammeropern. Seine Komposition Von den vier Enden der Welten wird an den Dresdner Musikfestspielen 2011 unter der Leitung von Christoph Poppen mit dem Hilliard Ensemble aufgeführt. Daniel Glaus erhielt für sein Schaffen Anregungen von Künstlern wie Luigi Nono, Klaus Huber, Brian Ferneyhough, Gérard Grisey, Heinz Holliger, Tristan Murail und Pierre Boulez sowie durch die intensive Beschäftigung mit Literatur und Wissenschaft aus allen Epochen, mit der Gregorianik und der Musik Frescobaldis, Bachs, César Francks, Weberns, Schönbergs und anderer Komponisten, mit seinen Mitmenschen und der Natur. Nebst seiner Tätigkeit als Titularorganist am Berner Münster, wo er auch künstlerischer Leiter der sommerlichen Abendmusiken ist, konzertiert Glaus als Organist und engagiert sich überdies für Fragen des Orgelbaus und der Kirchenmusik. So gründete er beispielsweise die alle zwei Jahre stattfindende Internationale Orgelakademie Bern. Ausserdem unterrichtet er als Professor für Komposition an der Musikhochschule Zürich sowie für Orgel und Komposition an der Berner Hochschule der Künste. Im Jahr 2006 verlieh ihm die Theologische Fakultät der Universität Bern die Ehrendoktorwürde, und 2009 wurde Glaus mit dem Grossen Musikpreis des Kantons Bern geehrt.

Conradin Brotbek

brotbekGeboren in Biel, studierte der gefragte Cellist bei Stanislav Apolin und Marek Jerie an der Musikhochschule Luzern, wo er 1985 das Solistendiplom erlangte. Zudem verlieh im die Stadt Luzern den Edwin Fischer-Gedenkpreis. Später vertiefte er seine Studien in Genf, Wien und London, unter anderem bei Jacqueline du Pré. Seit 1987 unterrichtet Conradin Brotbek eine Konzert- und Solistenklasse für Violoncello und eine Kammermusikklasse an der Berner Hochschule der Künste. Als Lehrer arbeitet er auch an der Internationalen Sommer-Akademie Lenk und der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Brotbek spielt ein Instrument aus dem Jahr 1700 und ist Mitglied des Aria Quartetts Basel. Ausserdem führten ihn Tourneen als Solist an zahlreiche Festivals und in Konzertsäle verschiedener europäischer Länder sowie nach Australien, China, in die USA und den Nahen Osten. Der auch als Komponist tätige Musiker hat etliche Radio- und Fernsehaufnahmen sowie Schallplatten- und CD-Einspielungen vorgelegt, die sein breites künstlerisches Schaffen dokumentieren.

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