MÄRCHENKONZERT

Mittwoch,
9. März 2011

19.30 Uhr Theater National Bern
19.00 Uhr Konzerteinführung

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Kaspar Zehnder
Leitung
Uwe Schönbeck
Sprecher
Georges Bizet
(1838-1875)
Jeux d`enfants für Orchester, op. 22
Marche: Trompette et tambour
Berceuse: La poupée
Impromptu: La toupie
Duo: Petit mari, petite femme
Galop: Le bal
Maurice Ravel
(1875-1937)
Ma Mère l`Oye
Ballettmusik in einem Akt
Prélude
Danse du Rouet et Scène
Pavane de la Belle au bois dormant
(Interlude) – Les entretiens de la Belle et la Bête
(Interlude) – Petit Poucet
(Interlude) – Laideronette, Impératrice des Pagodes
(Apothéose) – Le Jardin féerique

***
Kurt Schwertsik
(*1935)

Goldlöckchen, op. 74
Märchen nach Roald Dahl
für einen Erzähler und Kammerorchester
Libretto von Donald Sturrock,
deutsche Übersetzung Kurt Schwertsik

Dieses Konzert wird unterstützt durch die bbgBurgergemeinde Bern

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Erinnerungen an Märchen und Kinderspiele werden in Bizets und Ravels so unterschiedlichen wie aufeinander bezogenen Klangsphären wach. Ein Spinnrad tanzt, die Anmut einer Puppe erscheint in hochromantischen Harmonien, im Garten der Feen treffen die Schöne und das Biest auf den kleinen Puck und das hässliche Entlein.

1871 schrieb Georges Bizet zwölf musikalische Miniaturen, deren fünf er später zur «Petite Suite» Jeux d`enfants zusammenfügte, die verschiedene Aspekte einer Kindheit widerspiegelt. Die Abfolge der kurzen Stücke ist von Stimmungswechseln durchsetzt, verspielt und mit einer herzhaften Portion Humor orchestriert. Die Flöte dominiert den federnden Anfang des einleitenden Marschs, wird alsbald von Trommelwirbeln und Trompeten abgelöst, die wiederum einer sanften Geigenmelodie Platz machen, welche in balladeskem Dreiertakt eine Puppe umschreibt, während der rasante Galopp vor Übermut nur so strotzt. Die Suite diente lange als Vorbild für ähnliche Werke diverser Komponisten.

Beispielsweise liess sich Maurice Ravel davon zu seiner poetischen Komposition Ma Mère l`Oye («Meine Mutter, die Gans») inspirieren. Diese beginnt verträumt, bevor eine mächtige Steigerung in den „Tanz des Spinnrads“ mündet, wo schwirrende Melodiefetzen vor chromatisch auf- und abschwellendem Hintergrund zu hören sind. Mittels gedämpfter Streicher in hoher Lage schliesst sich das Bild einer schlafenden Schönheit im Wald an, die Schöne und das Biest schwanken zwischen unheilvoll dräuenden Einsätzen des Kontrafagotts und hellen Klarinettenfiguren. Der berührende Gesang des hässlichen Entleins, der «Kaiserin der Pagoden», wird passenderweise von fernöstlich wirkender Pentatonik untermalt, und versöhnliche Akkordfolgen gipfeln schliesslich in einem pompösen Ende.

Der Österreicher Kurt Schwertsik war als Hornist in mehreren Orchestern tätig, interessierte sich jedoch seit jeher vor allem fürs Komponieren. Sein Goldlöckchen für einen Erzähler und Orchester aus dem Jahr 1997 stellt eine Vertonung des gleichnamigen Märchens von Roald Dahl dar, in dem sich Baby Bär vor einem Waldgericht wegen des Überfalls auf Fräulein Goldlöckchen verantworten muss. In Form kurzer Tänze werden Beweise vorgebracht, zu einem Marsch treten Richter, Geschworene und der Angeklagte auf. Staatsanwalt und Verteidiger, zwei Hyänen, erzählen voneinander abweichende Versionen der Geschehnisse, wobei Ethik ebenso zur Sprache kommt wie Geister und Zauberei.

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Kaspar Zehnder

zehnderDer künstlerische Leiter der Sommerfestspiele Murten Classics und musikalische Leiter am Zentrum Paul Klee tritt mit Partnern wie Radek Baborák, Isabelle von Keulen, Natalia Gutman, Bruno Ganz, Rachel Harnisch und Patricia ­Kopatschinskaja in Konzertsälen und an Festivals in ganz Europa auf. Schon als Gymnasiast studierte Kaspar Zehnder Flöte, Klavier, Dirigieren und Theorie an der Hochschule der Künste Bern HKB, später vertiefte er seine Studien unter anderem bei Charles Dutoit, Horst Stein und Aurèle Nicolet. Im Oktober 2007 debütierte Zehnder an der Mailänder Scala und arbeitet seither vermehrt im Bereich des Musiktheaters, etwa am ­Theater Brünn mit einer Produktion von Strauss` Fledermaus. Ausserdem ist er Einladungen als Gastdirigent nach Montpellier, Paris und London gefolgt und hat sich als Orchesterleiter in Bern und Burgdorf intensiv mit zeitgenössischer Musik beschäftigt.

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Uwe Schönbeck

schoenbeckNach dem Studium in seiner Heimatstadt Essen ist der Schauspieler und Sänger im Verlauf einer vielseitigen Karriere mit Opern wie Salome von Richard Strauss oder Wagners Rheingold und Siegfried sowie dem Schauspiel Faust unter anderem an die Salzburger Festspiele, die Münchner und Wiener Staatsoper sowie an Theater in Paris, Genf, Mannheim, Dresden und Berlin gereist. Mit Bern verbindet Uwe Schönbeck eigenen Aussagen zufolge eine grosse Liebe, weshalb er denn auch während mehr als anderthalb Jahrzehnten als Ensemblemitglied und fester Wert am hiesigen Stadttheater sowie in zahlreichen Eigenproduktionen aufgetreten ist. Zu seinen liebsten Rollen als Schauspieler zählen Bösewichte wie Herodes und Gessler, die Amme in Romeo und Julia sowie die Knusperhexe aus Hänsel und Gretel. Von Schönbecks Märchenerfahrung profitiert bestimmt auch seine heutige Darbietung als Sprecher.

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