Berner Kammerorchester

SWISSNESS

Dienstag,
6. Mai 2008

19.30 Uhr Kultur-Casino Bern, Grosser Saal
19.00 Uhr Konzerteinführung

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Eliana Burki
Alphorn
Töbi Tobler
Hackbrett
Johannes Schlaefli
Leitung

Gaspard Fritz
(1716–1783)

Sinfonie op. 6 Nr. 6 g-Moll
Allegro
Andante
Presto

Leopold Mozart
(1719–1787)

Sinfonia pastorella für Alphorn und Streicher G-Dur
Allegro moderato
Andante
Presto

Paul Huber
(1918–2001)

Konzert für Hackbrett und Streichorchester (1994)
Andante sostenuto - Allegro giocoso
Adagio. Variationen über „Schönster Abestärn”
Rondo. Allegro ma non troppo

***

Arthur Honegger
(1892–1955)

Pastorale d’été. Sinfonisches Gedicht (1920)

Jean Daetwyler
(1907–1994)

Pastorale aus dem Konzert Nr. 1 für Alphorn und Orchester (1970)

Kaspar Ewald
(*1969)

Schneebrett. Konzertstück für Alpho(e)rn(er), Hackbrett und Kammerorchester. Uraufführung


Swissness – ein seit kurzer Zeit und besonders rund um sportliche Grossereignisse inflationär auftauchender Begriff, den das BKO musikalisch hinterfragen will: Mit den Soloinstrumenten Alphorn und Hackbrett, mit Werken von Schweizer Komponisten und mit der Uraufführung einer Auftragskomposition, die überraschende Hörweisen auf die Frage nach dem klingenden Selbstverständnis von Schweizerinnen und Schweizern verspricht.

Vom Genfer Komponisten Gaspard Fritz hörte man bislang nicht vieles. Zwar erschien dank Hermann Scherchen die erste seiner sechs Sinfonien 1942 im Druck. Doch dabei blieb es vorerst, bis der Universitätsverlag Genf vor wenigen Jahren eine Fritz-Gesamtausgabe zu planen begann, im Rahmen derer nun auch die übrigen fünf Sinfonien erscheinen werden. Das BKO spielt als eines der ersten Orchester aus diesen bisher unveröffentlichten Kompositionen.

Bei der Sinfonia pastorella von Leopold Mozart hat der Alphorn-Forschung vor allem eines zu denken gegeben: dass das berühmte, für klassische Hörgewohnheiten „falsch“ klingende „Alphorn-Fa“ nicht vom Soloinstrument gespielt sondern neckisch vom Orchester imitiert wird. Eine klangliche Überraschung.

In seinem Konzert für Hackbrett und Streichorchester hat Paul Huber versucht, das Hackbrett aus der Verklammerung an die volkstümliche Musik zu lösen und es als vollgültiges Soloinstrument einzusetzen, ohne die Erinnerung an die ursprüngliche Herkunft des Hackbrettes ganz zu vergessen. Ein spannender Dialog zwischen geschlagenen und gestrichenen Saiten.

Das Stichwort „Pastorale“ aus den Kompositionen von Arthur Honegger und Jean Daetwyler suggeriert einen ungebrochenen Zugriff auf so genannt Schweizerisches. Idylle und Feierlichkeit. Aber auch Geheimnisse.

Kaspar Ewald komponierte zunächst für die eigene Jazzrock-Bigband „KGB“ (Kaspars Grosse Band), studierte dann an der Musik-Akademie Basel und bildete sich an der Jazz-Schule Basel, in Berlin sowie in Amsterdam weiter. Seit Herbst 2000 ist er Lehrer an der Musikhochschule Zürich und schreibt u.a. für seine aus klassischen Musikern und Jazzern zusammengesetzte Grossformation „Exorbitantes Kabinett“. Die Konzepte zu seinen Kompositionen gründen oft in der Auseinandersetzung mit polymetrischen Phänomenen.

ELIANA BURKI

Bereits als Neunjährige stand die 1983 geborene Eliana Burki mit ihrem Alphorn am Jodlerfest in Schönenwerd als „Exotin“ in den Männerreihen. Sie war vom traditionellen Instrument begeistert aber fest entschlossen, künftig nie mehr in der Tracht aufzutreten. Bald darauf entdeckte sie ihre Vorliebe für Latino-, Blues- und Jazzkompositionen. Ihrem Entschluss für eine Profikarriere als Alphornmusikerin und Sängerin folgte eine intensive Ausbildung in Gesang, Performance, Tanz und Improvisation. Seither performt Eliana Burki auf dem Alphorn wie auch als Sängerin solo, im Duo, mit ihrer Band oder als Solistin funkige und bluesige Arrangements. Sie beherrscht auf dem Alphorn nicht nur die üblichen wenigen sondern 17 verschiedene Töne, und ihr „Alphorn der anderen Art“ ist durch ihre Auftritte und Ausland-Tourneen schon bis China bekannt. 2006 gewann Eliana Burki den kleinen Prix Walo in der Kategorie Special-Act.

TÖBI TOBLER

In den frühen 70er-Jahren, zu einer Zeit, in der das Hackbrett in der Schweiz nur noch selten gespielt wurde, fing Töbi Tobler an, damit zu experimentieren. Die Suche nach einer persönlichen Sprache war für ihn von Anfang an ein Grund und ein Bedürfnis, Musik zu machen. Durch die Erfahrung unzähliger Konzerte mit Eigenkompositionen, freier Improvisation und traditioneller Appenzellermusik und ist es Töbi Tobler gelungen, zu einem eigenen Stil auf seinem Instrument zu finden. Heute kennt man ihn als vielseitigen Hackbrettler, der sich und den Klang seines Instrumentes in die verschiedensten Formationen einbrachte und -bringt, so unter anderen bei Toblermit, Appenzeller Space Schöttl, Neues Appenzeller Quintett, Sternmotor oder Max Lässers Überlandorchester. Daneben tritt Töbi Tobler mit dem Appenzeller Hackbrett und seiner Stimme immer wieder solo auf und beschäftigt sich neuerdings auch mit klassischer Musik.

 

Dieses Konzert steht unter dem Patronat des Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät.

Das Grusswort des Berner Stadtpräsidenten:

Die Chance zum Entdecken

Viel klassische Musik war, als sie entstand, jung. Sie war Musik junger Leute. Die heute „klassisch“ genannten Werke waren damals – vor zwei-, dreihundert Jahren – zeitgenössisch, oft zeitbezogen. Die klassische Musik war europäisch: wer Musik komponierte, lehrte, spielte, tat es in vielen Städten, an vielen Höfen, war auf unbequemen Reisen oft unterwegs.

Die klassische Musik war also durchaus modern. Sie war aktuell. Sie überraschte, befremdete, wurde nicht immer gleich verstanden. Was zum Vergnügen, Zeitvertreib, als Bestätigung in Auftrag gegeben wurde, kam nicht selten sperrig, kritisch, unbequem heraus.

Warum nur empfinden wir heute diese Musik so, wie wir sie nennen: „klassisch“? Klassisch heisst „aus vergangener Zeit“, klassisch heisst herkömmlich, klassisch heisst „ich weiss schon wie es tönt“, klassisch bedeutet langweilig. Das wissen viele, noch bevor sie ein paar Töne dieser Musik gehört haben. Und sperren die Ohren zu.

Wer so denkt, nimmt sich ein Erlebnis, das vielleicht gefällt und vielleicht nicht. Niemand soll Klassikfan werden müssen. Aber wer klassische Musik nie gehört hat, kann gar nicht wissen, ob sie gefällt. Es ist wie beim Essen: Zuerst probieren, dann Ja oder Nein sagen.

Das Berner Kammerorchester lädt zum dritten Mal ein zum Probehören. Wer hingeht, nimmt ein Angebot an. Mit unbekannten Folgen. Und mit der Chance, etwas zu entdecken.Wer hingeht, gewinnt. Und lässt die Musikerinnen und Musiker, die Tänzerin und den Tänzer gewinnen.

Alexander Tschäppät
Stadtpräsident von Bern