JAHRESZEITEN

Dienstag, 28. März 2006
19.30 Uhr, Kultur Casino Bern, Burgerratssaal
19.00 Uhr, Konzerteinführung
Johannes Schlaefli Leitung
Bettina Sartorius Violine 
Matthew Locke
(um 1622-1677) 
«Curtain Tune» aus «The Tempest» (1674) 
Antonio Vivaldi
(1678-1741)
«Der Frühling», Konzert für Violine und Streicher aus den «Jahreszeiten», RV 269AllegroLargoAllegro 
Grazyna Bacewicz
(1909-1969) 
Divertimento für Streichorchester (1965) 
Antonio Vivaldi  «Der Sommer», Konzert für Violine und Streicher aus den «Jahreszeiten», RV 315Allegro non molto – AllegroAdagioPresto 
  *** 
Antonio Vivaldi «Der Herbst», Konzert für Violine und Streicher aus den «Jahreszeiten», RV 293AllegroAdagio moltoAllegro  
Grazyna Bacewicz Divertimento für Streichorchester (1965) 
Antonio Vivaldi «Der Winter», Konzert für Violine und Streicher aus den «Jahreszeiten», RV 297Allegro non moltoLargoAllegro    


In Yverdon geboren, absolvierte Bettina Sartorius ihr Studium an der Meisterklasse von Alda Stucki an der Musikhochschule Winterthur, wo sie das Lehr-, Konzertreife- und Solistendiplom mit Auszeichnung abschloss.

Es folgten weitere Studien bei Igor Ozim in Bern sowie Radio- und CD-Einspielungen. Sie ist internationale Preisträgerin, trat als Solistin an den internationalen Musikfestwochen Luzern, Meiringen und Lugano auf und war Mitglied der Camerata Bern.


Matthew Locke ist der bedeutendste englische Komponist, der aus der Zeit des Cromwell’schen «Commonwealth» hervorging. Der Unterhaltungswert seiner späten Bühnenmusiken, wie «The Tempest» eine ist, lag in der Kombination von bildträchtiger Musik, Tanz und szenischen Effekten.

Schilderungen von Naturphänomenen und tonmalerische Abbildungen waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts in der Musik ebenso populär wie in der Malerei (man denke etwa an A. Watteau). Insbesondere in der Oper und von ihr ausgehend in der Cembalomusik (Couperin) und im virtuosen Solokonzert feierten Gewitter, Sturm und ähnliche Naturschilderungen wahre Urständ. Antonio Vivaldis «Quattro stagioni», 1725 veröffentlicht, zählten bereits zu Lebzeiten des Komponisten zu den bekanntesten Werken der Programmmusik. Die in der Partitur vorangestellten Sonette vermittelten den Konzerten einen literarischen Hintergrund und ein dichterisches Programm. In Vivaldis «Jahreszeiten» kommt der gesamte damalige Katalog der musikalischen Naturschilderung zur Anwendung: Vogelstimmenimitation, Tierrufe, Darstellung von Hitze und Kälte, Gewittermusik, Jagdszenen usw. Nicht ungewöhnlich in der Zeit, aber in der Umsetzung einzigartig, ist Vivaldis Verbindung von Naturschilderung und virtuosem Violinspiel. Von Vivaldis weit über 200 Violinkonzerten tragen sehr viele programmatische Titel, in den «Jahreszeiten» ist dem Komponisten aber mit Programm, Tonmalerei, Konzertform und virtuosem Figurenspiel eine einzigartige Verbindung gelungen.

Grazyna Bacewicz, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der polnischen Musik des 20. Jahrhunderts, hat in ihrem Komponieren von den zwanziger Jahren bis in die sechziger Jahre nicht allein viele politische und gesellschaftliche Veränderungen erlebt, sondern auch zahlreiche musikalische Neuausrichtungen verarbeitet. Das späte Divertimento für Streicher ist ein zugängliches und witziges Stück mit konzertantem Charakter.

Dr. Hanspeter Renggli-Zuber

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