FESTKONZERT

Do, 15. Dezember
Fr, 16. Dezember 2005
19.30 Uhr Kultur Casino Bern, Grosser Saal
Johannes Schlaefli Leitung
Noëmi Nadelmann Sopran
Orpheus Chor Leitung: Rudolf Rychard
Georges Bizet
(1838–1875)
Aus der Oper «Carmen»:
Prélude zum 1. und zum 4. Akt
Arie der Michaela «Je dis que rien»
Entr’acte und Marsch
Jules Massenet
(1842–1912)
Aus der Oper «Manon»:
Gavotte der Manon mit Chor
Charles Gounod
(1818–1893)
Aus der Oper «Faust»:
Ballettmusik
Chor «La kermesse»
Juwelenarie der Marguerite «Ah! je ris de me voir»
Johann Strauss
(1825–1899)
Aus der Operette «Die Fledermaus»
Ouvertüre
Csárdás der Rosalinde «Klänge der Heimat»
Aus der Operette «Der Zigeunerbaron»:
Chor «Ja, das Eisen wird gefüge gemacht»
Aus der Operette «1001 Nacht»:
Intermezzo
Aus der Operette «Die Tänzerin Fanny Elssler»:
Arie «Draussen in Sievering»
Pizzicato-Polka
Aus der Operette "Eine Nacht in Venedig": Chor "Zur Serenade"
Emmerich Kalman
(1882–1953)
Aus der Operette «Gräfin Mariza»:
Arie mit Chor «Höre ich Zigeunergeigen»


Noëmi Nadelmann entstammt einer Zürcher Künstlerfamilie. Nach dem Abitur absolvierte sie ihre Gesangsausbildung an der Indiana University in Bloomington bei Carol Smith. Sie gab ihr Debüt als Musetta am Teatro la Fenice in Venedig. Es folgten Engagements am Grand Théâtre in Genf, an der Volksoper Wien und an der Staats-oper München. Gastengagements führten sie u.a. an die Komische Oper Berlin, das Opernhaus Zürich, die Opéra National Paris, die Hamburgische Staatsoper, die Deutsche Oper Berlin, die New Yorker MET, die Lyric Opera Chicago, die Oper Köln, die Staatsoper Berlin, die Nederlandse Opera Amsterdam oder die San Diego Opera. Am Berner Stadttheater sang sie in Neuproduktionen in «La Traviata», «Lucia di Lammermoor» und «Manon». Sie arbeitet mit den namhaftesten Dirigenten und En-sembles zusammen, mit denen sie in Recitals und Orchesterkonzerten auftritt.

Als Anerkennung für ihr künstlerisches Schaffen wurde ihr 1997 der von der Johann Wolfgang Goethe-Stiftung verliehene Wolfgang-Amadeus-Mozart-Preis zugesprochen.

Neben Radio- und Fernsehproduktionen und Spielfilmen hat Noëmi Nadelmanns Aufnahme ausgewählter Lieder von Gershwin und Porter grossen Anklang gefunden. Ausserdem sind unter der Leitung von Gustav Kuhn eine Arien-CD und eine Aufnahme mit Liedern von Franz Schreker, 2003 zudem die neueste CD mit Arien aus Operetten erschienen.

Das Berner Kammerorchester und Johannes Schlaefli dürfen bereits zum dritten Mal das Festkonzert mit der herausragenden Schweizer Sopranistin bestreiten.


Mit Ausschnitten aus Gounod’s «Faust», einer der grössten fran-zösischen Erfolgsopern, aus Bizet’s «Carmen», neben Mozarts «Zauberflöte» die meistgespielte Oper überhaupt, und aus Strauss’ «Fledermaus», dem unübertroffenen Meisterstück der Wiener Operette, stehen im diesjährigen Festkonzert des Berner Kammerorchesters ausschliesslich «Bestseller» des Musiktheaters auf dem Programm.

Als Charles Gounod die Oper «Faust» komponierte, lag das französische Musiktheater in Agonie. Erst nach einiger Zeit erkannte man, dass Gounod mit diesem Werk ein neuer, eigenständiger französischer Operntypus gelungen war, die Opéra lyrique. Es ging Gounod nicht um eine effektvolle dramatische Entwicklung, sondern um die Zeichnung des Seelenlebens, hier vor allem jenes von Marguerite (Margarethe) und den Tonfall in der Melodik.

Hatte Gounod das Drame lyrique geschaffen, dann Georges Bizet 16 Jahre später das unbestrittene Erfolgsstück in der französischen Operngeschichte «gelandet». An «Carmen» faszinieren bis heute das spanische Kolorit, die prägnante Charakterzeichnung und die raffi-nierten Orchesterfarben.

Nur einmal ist in der Operette der soziale Rollenwechsel und das kollektive Verstellungsspiel in Maske und Kostüm derart in brillante Musik gekleidet worden wie 1874 in Johann Strauss’ «Fledermaus». Die Ouvertüre bündelt die musikalischen Stationen der Ballmaskerade, nachdem sie mit dem ungestümen Beginn den Reigen entfacht hat.
Angeregt durch den unerschöpflichen Reichtum an Melodien entstanden noch Jahre und Jahrzehnte nach dem Tode von Strauss sogenannte Pasticcio-Operetten: um die erfolgreichen Tanzkompositionen von Strauss haben Autoren, Arrangeure und Theaterleiter dramatische Geschichten gesponnen. Bis in die dreissiger Jahre entstanden auf der Grundlage von Strauss’ Musik auf diese Weise Operetten, die in verklärender Sicht ein vergangenes Wien der «guten alten Zeit» heraufbeschworen. Dazu gehörten u.a. auch «1001 Nacht» von E. Reiterer (1906) und «Die Tänzerin Fanny Elssler» von Oskar Stalla (1934).

Dr. Hanspeter Renggli-Zuber

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